Mit der Gailtalerin 9.060 km nach الأندلس

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Re: Mit der Gailtalerin 9.060 km nach الأندلس

Beitrag von Nergal » Sa 11. Jan 2020, 13:58

7. Juni: Der hilfreiche Alvaro leiht mir sein Privathandy, damit ich zu Hause wenigstens Bescheid geben kann, dass ich ab sofort nur noch in der Lage bin, per Münztelefon zu kommunizieren. Heute steht ein 300 km langer Rundkurs an, der über die südöstlich von Riópar gelegenen Sierras führt. Mein kulturelles Ziel ist Caravaca de la Cruz. Auf der Suche nach dem Weg zum dortigen Kastell verirre ich mich heillos in den engen, winkeligen Gassen der Altstadt. Oben endlich angekommen, entschädigt der weite Blick über das Land.

https://de.wikipedia.org/wiki/Caravaca_de_la_Cruz
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Caravaca de la Cruz mit Kastell
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Rundblick vom Kastell in Caravaca
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Re: Mit der Gailtalerin 9.060 km nach الأندلس

Beitrag von Nergal » Sa 11. Jan 2020, 14:00

Der Höhepunkt des Tages ist die Fahrt auf schmalsten, teils geschotterten Pisten durch die Sierra del Tobar. Das ist Eintopf-Land! Wer mehr Zylinder hat, der braucht sie hier nicht. Wer meint, mehr zu brauchen, der hat ein Status-Problem. Ich lasse die Gailtalerin fliegen. „Kannst alles von mir haben!“, brüllt sie mir ins Ohr. „Ja, ja“, jubele ich ekstatisch, „ich muss aufi, auf’n Berg!“
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In der Sierra del Tobar
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Re: Mit der Gailtalerin 9.060 km nach الأندلس

Beitrag von Nergal » Sa 11. Jan 2020, 14:01

8. Juni: Heute geht es nach Südwesten, in die Sierra de Segura. Kurz hinter Riópar passiert man eine Wasserscheide und überquert die Grenze zur Provinz Andalusien. Öfter halte ich an und fotografiere die Landschaft, die von Olivenanbau und Wasserwirtschaft geprägt wird.
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Olivenanbau am Rio Guadalimar
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Re: Mit der Gailtalerin 9.060 km nach الأندلس

Beitrag von Nergal » Sa 11. Jan 2020, 14:03

Mein erstes Ziel, das Castillo Seguro de la Sierra, kann man gar nicht verfehlen. Es kündigt sich schon von weitem durch seine exponierte Höhenlage an.

https://de.wikipedia.org/wiki/Segura_de_la_Sierra
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Castillo de la Segura
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Re: Mit der Gailtalerin 9.060 km nach الأندلس

Beitrag von Nergal » Sa 11. Jan 2020, 14:04

Ich parke am Fuße des Kastells und laufe in der Gluthitze die endlos erscheinende Treppe hoch. Die Kassenfrau händigt mir anstandslos ein Seniorenticket aus und will wissen, wo ich heute nächtige. Auf meinen fragenden Blick hin beeilt sie sich zu versichern, dass sie meine Angaben lediglich für statistische Zwecke benötige. Gut, dass wir das geklärt haben! Vom Castillo aus habe ich einen gigantischen Rundblick – und erleide fast einen Schock. Die Spanier holzen gnadenlos ihre Pinien ab, um massenhaft Olivenöl zu produzieren. Klar, die Leute hier müssen ja von etwas leben. Aber solch ein wüster Kahlschlag? Dem Planeten ginge es wohl erheblich besser, gäbe es eine signifikante Bestandsabstockung der Spezies Mensch. Aber keiner will den Anfang machen. Verständlich!
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Blick vom Castillo de la Segura
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Re: Mit der Gailtalerin 9.060 km nach الأندلس

Beitrag von Nergal » Sa 11. Jan 2020, 14:05

Gegen 14 Uhr sitze ich wieder auf dem Bock und tuckere weiter gen Südwesten – nicht ohne noch einmal anzuhalten, um das Castillo aufzunehmen.
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Die Gailtalerin vor dem Castillo de la Segura
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Re: Mit der Gailtalerin 9.060 km nach الأندلس

Beitrag von Nergal » Sa 11. Jan 2020, 14:06

Weiter geht es entlang des aufgestauten Rio Guadalquivir durch die Sierra de Cazorla. Die Straße am Embalse del Tranco ist nur mit 40 bis 50 km/h befahrbar und zieht sich elend lang hin. Diese Gegend ist deutlich stärker vom Tourismus geprägt als die Region Riópar. Mein Ziel ist La Iruela und seine Burg, die Reinhart Wolf in seinem 1982 erschienen Buch (Titel „Castillos“) so wunderbar fotografiert hat. Auch sie kann man schon von weitem entdecken.

https://de.wikipedia.org/wiki/La_Iruela
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Castillo von La Iruela
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Re: Mit der Gailtalerin 9.060 km nach الأندلس

Beitrag von Nergal » Sa 11. Jan 2020, 14:08

Bei brütender Hitze komme ich gegen halb fünf am Castillo an. Die Zeit bis zur Öffnung vertreibe ich mir mit der Suche nach Fotomotiven und mit einem netten Plausch, den mir ein ebenfalls wartender Familienvater aus Cordoba anbietet.
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Idyllisches Ambiente beim Castillo von La Iruela
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Castillo von La Iruela
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Re: Mit der Gailtalerin 9.060 km nach الأندلس

Beitrag von Nergal » Sa 11. Jan 2020, 14:09

Außer dem Turm bietet das Kastell wenig Spektakuläres; die Besichtigung ist vergleichsweise rasch gemacht.
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Re: Mit der Gailtalerin 9.060 km nach الأندلس

Beitrag von Nergal » Sa 11. Jan 2020, 14:11

Wegen der vorgerückten Tageszeit nehme ich auf dem Rückweg die N 322, eine gut ausgebaute Schnellstraße. Am Schluss muss ich die Sierra de Alcaraz durchqueren. Die am Straßenrand sitzenden Greise schauen beim Ton der Domi interessiert auf. Touristen sind hier eher selten. Das meinte wohl auch der große Hund, der knapp vor mir über die Fahrbahn rennt. Wäre ich nur zwei Sekunden früher vor Ort gewesen, hätte ich mit Sicherheit den Boden geküsst. Glück gehabt! Als ich gegen 20 Uhr endlich auf dem Platz eintrudele, bin ich völlig geschafft. Dicke Schwielen zieren meine Hände und tun beim Gasgeben weh. Auch der Schaltfuß hätte gern mal eine Pause. Die 3.400 km seit der Abfahrt und das – nun ja – vorgerückte Alter machen sich bemerkbar. Als ich gegen 22 Uhr mit Abkochen, Abwaschen und den obligatorischen Reisenotizen endlich fertig bin, kann ich mich Wein und Gesang hingeben. Auf’s Weib muss ich allerdings noch eine Weile verzichten. Leider!
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Re: Mit der Gailtalerin 9.060 km nach الأندلس

Beitrag von Nergal » Sa 11. Jan 2020, 14:13

9. Juni: Sonntag. Es soll ein gemütlicher Tag ohne viele Kilometer werden. Beim Brotholen teilt mir Alvaro mit, dass es hier eine stillgelegte Fabrik gibt, die ab 1772 als erste in Spanien und als zweite in Europa Bronze herstellte. Es gebe sogar ein technisches Museum in den früheren Fabrikräumen. Meine Begeisterung kennt keine Grenzen, habe ich mich doch bereits längere Zeit mit Forschungen zur Geschichte der Schwerindustrie beschäftigt. Logo, dass ich mich nach dem Frühstück sofort zum Museum aufmache. Leider stehen auf dessen Parkplatz gerade zwei überfüllte Busse und spucken Unmengen lärmender Rentner aus. Ich warte ein wenig ab und betrete dann die heiligen Hallen. Die Dame an der Kasse berechnet mir ungefragt den Seniorentarif. Frechheit!

Das Museum ist eine Wucht! Ich bin begeistert von den Exponaten. Unglaublich, dass man mit den hier ausgestellten Maschinen noch bis in das Jahr 1996 hinein produziert hat. Ich verbringe sehr viel Zeit in den Räumen und fotografiere sie ausgiebig. http://www.museofabricasdeRiópar.com/
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Bronzefabrik in Riópar
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Re: Mit der Gailtalerin 9.060 km nach الأندلس

Beitrag von Nergal » Sa 11. Jan 2020, 14:14

Mein Versuch, von der örtlichen Telefonzelle meine Frau anzurufen, schlägt fehl. Ich kann Sigrid zwar hören, sie aber mich nicht. Also schwinge ich mich in den Sattel und fahre in das rund 50 km entfernt gelegene Alcaraz https://de.wikipedia.org/wiki/Alcaraz_(Albacete). Das Städtchen hat zwar einen außerordentlich schönen Hauptplatz, weist aber zwei entscheidende Nachteile auf: Die fotogenen Gebäude liegen allesamt im Schatten, und eine Telefonzelle gibt es, wie ich auf einem sehr langen Fußmarsch erfahren muss, anscheinend keine einzige. Mit einem einzigen Foto als magere Ausbeute verlasse ich unverrichteter Dinge die Stadt.
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Szene in Alcaraz
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Re: Mit der Gailtalerin 9.060 km nach الأندلس

Beitrag von Nergal » Sa 11. Jan 2020, 14:16

Notgedrungen probiere ich mein Glück im 90 km entfernten Liétor, wo ich kürzlich eine Telefonzelle sah. Gottseidank funktioniert sie. Von meinem lieben Weib erfahre ich, dass „die Mädels“ Korea bei der Frauen-WM besiegt haben und dass zu Hause alles in Ordnung ist. Nicht ganz so scheint es bei meiner Domi zu sein. Deren Voltmeter zeigt mal 14 Volt an, manchmal aber auch gar nichts. Da das Motorrad ungerührt weiterläuft, beschließe ich, erst mal nichts zu tun. Bei der Abfahrt von Lietór schieße ich ein Foto des Städtchens über dem Steilhang.
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Liétor
Liétor

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Re: Mit der Gailtalerin 9.060 km nach الأندلس

Beitrag von Nergal » Sa 11. Jan 2020, 14:18

10. Juni: Nach über 3.700 gefahrenen Kilometern ist der Ölwechsel bei meiner Domi überfällig. Es gelingt mir, in Hellin zwei Liter synthetisches 15 W 50 aufzutreiben. Auf dem Platz vollziehe ich den Ölwechsel. Dank untergelegter Plastikplane dringt kein einziger Tropfen bis zum Waldboden vor. Das Altöl kann ich mit Alvaros Hilfe später beim örtlichen Kfz-Betrieb kostenfrei entsorgen. Nachmittags klappere ich die Supermercados in Riópar ab. Es gibt fünf davon in dem kleinen Ort, der nur rund 1.300 Einwohner besitzt. Alle verfügen über eine Lebensmittelabteilung, haben sich aber darüber hinaus auf ergänzende Schwerpunkte konzentriert: Eisenwaren, Drogerieartikel oder anderes. Ich muss alle 5 Läden abklappern, bis ich endlich auf eine Metzgereiabteilung stoße, die ihre Ware nach Kundenwunsch zurechtschneidet. Bei den anderen vier hätte ich nur Fleischpackungen bekommen, die einer Großfamilie locker für eine ganze Woche ausgereicht hätten. Lohn meiner intensiven Suche ist ein Schweineschnitzel für sage und schreibe 83 Cent. Auf dem Rückweg zum Zeltplatz passiere ich den ruinösen „Laminador“, das außerhalb des Orts gelegene Walzwerk der ehemaligen Bronzefabrik. Auf älteren Straßenkarten ist der Ort noch als „Fábricas de Riópar“ verzeichnet.

https://de.wikipedia.org/wiki/Riópar
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El Laminador („Fábricas de Riópar“)
El Laminador („Fábricas de Riópar“)

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Re: Mit der Gailtalerin 9.060 km nach الأندلس

Beitrag von Nergal » Sa 11. Jan 2020, 14:19

Abends mache ich mir einen mitgebrachten Instant-Kartoffelbrei zum Schnitzel und fluche über die allgegenwärtigen Ameisen. Statt der nervigen Insekten hätte ich hier lieber mehr Vögel. Außer einem Kleiber und einer Eule ist hier diesbezüglich leider tote Hose. Mich nervt auch der viele Staub auf Poncho, Footprint und Zelt. Reinigen ist zwecklos: Spätestens nach einer halben Stunde hat der Wind schon wieder ganze Arbeit verrichtet. Immerhin trinke ich meinen Wein nicht mehr aus einer schnöden Plastiktasse, sondern aus abgespülten Joghurtgläsern. Vornehm geht die Welt zugrunde!
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Zeltszene
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Re: Mit der Gailtalerin 9.060 km nach الأندلس

Beitrag von Nergal » Sa 11. Jan 2020, 14:21

11. Juni: Wieder stehe ich in Liétor vor verschlossenen Kirchentüren. Aufgemacht wird nur an Sonn- und Feiertagen. Schade! Ich entschädige mich mit einer Besichtigung der Quelle des Rio Mundo. Dazu muss man von Riópar aus wenige Kilometer ins Gebirge fahren. Am Parkplatz angekommen läuft man ein gutes Stück bergauf und erreicht dann eine Felskante, über die der Rio Mundo stürzt.

https://www.clubrural.com/blog/nacimien ... do-cauce/
https://www.bing.com/images/search?q=ca ... &FORM=IGRE
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Felskante
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Beitrag von Nergal » Sa 11. Jan 2020, 14:22

Den Fußweg nach oben haben abertausende Touristenlatschen blank poliert und glitschig gemacht. Baumwurzeln ragen zentimeterhoch über das abgetragene Erdreich.
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Baumwurzeln
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Re: Mit der Gailtalerin 9.060 km nach الأندلس

Beitrag von Nergal » Sa 11. Jan 2020, 14:22

Das Wasser fällt in Kaskaden zu Tal und bildet kleine Stauseen. Das Fleckchen ist ein verstecktes idyllisches Biotop für Unmengen von Insekten.
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Kaskaden
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Re: Mit der Gailtalerin 9.060 km nach الأندلس

Beitrag von Nergal » Sa 11. Jan 2020, 14:24

Leider komme ich nur bis zum ersten Wasserfall. Der Weg zum zweiten – weitaus spektakuläreren – ist leider gesperrt. Auf dem Rückweg begegnet mir ein bergauf donnernder LKW mit Baumstämmen, der die Kurven gnadenlos schneidet. Wenn ausgerechnet jetzt ein Motorradfahrer entgegenkäme, wäre es passiert. Gottseidank haben die spanischen Heißsporne ihre Sportmotorräder nach dem Wochenende wieder mit dem Schreibtisch vertauscht.
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Unterster Wasserfall des Rio Mundo
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Re: Mit der Gailtalerin 9.060 km nach الأندلس

Beitrag von Nergal » Sa 11. Jan 2020, 14:26

12. Juni: Mist! Alvaro hat vergessen, das Brot aufzubacken. So verliere ich 20 wertvolle Minuten. Um 14 Uhr machen nämlich die meisten Monumente Mittagspause, weshalb ich deutlich vorher dort sein muss. Erst gegen 11 Uhr komme ich los. Vor mir liegen rund 130 km Wegstrecke nach Almansa, dessen Kastell es mir angetan hat. Ich gebe der Gailtalerin die Sporen und schaffe es bis 13 Uhr, an meinem Ziel zu sein. Leider erlebe ich eine herbe Enttäuschung: Das Castillo ist geschlossen. Der Touristikmanager erklärt mir umständlich, dass der Bau während der letzten drei Jahre aufwändig saniert und mittlerweile fertiggeworden sei, doch habe man kürzlich eine neue Stadtspitze gewählt, die die Eröffnungszeremonie erst nach ihrer Machtübernahme ausrichten wolle. Nächste Woche aber… Ich winke ab und mache einen Rundgang durch die schläfrige Kleinstadt, die mit schönen Barock- und Renaissancebauten rund um ihren zentralen Platz aufwarten kann. Hier telefoniert ein Spanier dermaßen lautstark, dass ihn sein Gesprächspartner eigentlich auch ohne die Technik hören können müsste. Ich besichtige eine überdimensionierte Einkaufsmall mit Leerständen, bevor es mich in das Heimatmuseum treibt, das mich ausgiebig über die im Jahre 1707 hier stattgefundene Schlacht informiert. Sie soll maßgeblich zum Ausgang des Spanischen Erbfolgekriegs beigetragen haben.

Auf den Platz zurückgekehrt, beobachte ich eine junge Spanierin, die sich vergeblich bemüht, mit einem winzigen Hämmerchen 10 Häringe in den betonharten Untergrund zu treiben. Meinen Rat, die Stellen mit etwas Wasser aufzuweichen, hält sie nicht für zielführend. Nach zwei Stunden harter Arbeit hat sie es auch so geschafft. Währenddessen gönne ich mir einen Nachmittagskaffee mit spanischen Keksen. Abends verzehre ich wieder mal ein Schweineschnitzel, das viel besser schmeckt als in Deutschland. Die frühen Nachtstunden gehören dem Müßiggang bei Radio und Rotwein.

https://de.wikipedia.org/wiki/Almansa h ... _Almansa
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Kastell von Almansa
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Rathaus von Almansa
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Patio des Rathauses von Almansa
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Re: Mit der Gailtalerin 9.060 km nach الأندلس

Beitrag von Nergal » Sa 11. Jan 2020, 14:28

13. Juni: Der Morgen ist mit 18 Grad vergleichsweise kühl. Einmal tröpfelt es beim Frühstück. Um der drohenden Pulposucht zu entkommen, gibt es luftgetrockneten Schinken zum Weißbrot. Zwei Kleiber erfreuen mich mit ihrem Spiel um die Baumstämme. Mittags fahre ich nach Riópar, gebe mein Altöl bei einem Kfz-Betrieb ab und schlendere über den Wochenmarkt, der Köstliches zu bieten hat.
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Wochenmarkt in Riópar
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Beitrag von Nergal » Sa 11. Jan 2020, 14:29

Dann geht es über die zerklüftete Sierra de Alcaraz in das Städtchen Alcaraz, wo ich Fotos von dessen Sehenswürdigkeiten machen will. Leider liegen auch heute sämtliche Fotomotive im Schatten, so dass ich abermals unverrichteter Dinge abziehen muss. Mein nächstes Ziel liegt rund 60 km weiter im Westen. Hinter Alcaraz wird das Land deutlich flacher – und die Straßen schnurgerade. Von einem Hügel mache ich ein Foto der vor mir liegenden Hochebene. Dann gebe ich der Gailtalerin die Sporen. Da die Gegend hier so wenig zu bieten hat, muss ich auf meine zügellose Gashand etwas aufpassen. In Villahermosa finde ich eine Telefonzelle, von der aus ich mein Eheweib anrufen kann. Zu Hause und im Fußball ist alles OK. „Unsere Mädels“ haben soeben Spanien besiegt. Klasse! Und der Trump hat den Erdogan so verärgert, dass der jetzt russische Raketen kauft. Zwei Diven unter sich!
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Blick auf weites Land westlich Alcaraz
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Re: Mit der Gailtalerin 9.060 km nach الأندلس

Beitrag von Nergal » Sa 11. Jan 2020, 14:30

Mein Navi lotst mich zuverlässig zum Ziel – und zwar in das Zentrum von Villanueva de los Infantes. Dies ist ein verschlafenes Landstädtchen mit rund 4.000 Einwohnern, das sich zum Zeitpunkt meiner Ankunft gerade auf die Siesta vorbereitet. https://de.wikipedia.org/wiki/Villanuev ... a_Mancha)

Um noch rechtzeitig in die Kirchen gelangen zu können, muss ich mich sputen. Das ist gar nicht so leicht, schließlich muss ich erst mal meine wärmende Kleidung mit der Motorradjacke ablegen und in die Koffer einschließen. Den Helm kette ich immer mit einem Seilschloss an das Motorrad. Dies und das diebstahlsichere Verstauen von Brieftasche, Kamera, Brillen etc. etc. in meiner ärmellosen Weste ist eine umständliche Prozedur, an der ich nicht vorbeikomme. Eine Banane und etwas Wasser aus der mitgeführten Feldflasche hätte ich auch ganz gerne. Letztere muss wieder in den Koffern verstaut werden, in denen urplötzlich eine drangvolle Enge herrscht. Bei allem darf ich bloß nicht vergessen, den Zündschlüssel abzuziehen und das Lenkschloss zu arretieren! Und das alles in der prallen Sonne, weil der Parkplatz keinerlei Schatten bietet. Ja, Motorradfahren ist manchmal anstrengend! Ich stelle meine Honda direkt neben der Iglesia de Santo Domingo ab und hechte in deren Inneres. Sie weist ein klares, einfaches Barock ohne große Schnörkel auf. Wunderbar!
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Iglesia de Santo Domingo
Iglesia de Santo Domingo

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Re: Mit der Gailtalerin 9.060 km nach الأندلس

Beitrag von Nergal » Sa 11. Jan 2020, 14:32

Danach schleppe ich mich bei brütender Hitze mit meinen Motorradstiefeln in das rund 800 Meter entfernte Stadtzentrum. Dass ich dabei die „Calle Monjas y Honda“ quere, ist ja mal ein netter Zufall! Ob Honda schon viel länger existiert, als wir alle ahnen?
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Calle de Monjas y Honda
Calle de Monjas y Honda

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Beitrag von Nergal » Sa 11. Jan 2020, 14:33

Den nördlichen Rand der Plaza Mayor bildet die Iglesia de San Andrés, ein einschiffiger gotischer Bau mit Kreuzrippen und klassizistischer Fassade. Die Musik im Inneren ist grauenhaft. Die Spanier haben großartige Renaissancekomponisten hervorgebracht: Victoria, Morales, Guerrero – um nur drei zu nennen. Und was spielt man hier? Süßliche Flötenmusik aus den Anden! Das zieht einem ja fast die Schuhe aus.
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Iglesia de San Andrés
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