Mit der Gailtalerin 9.060 km nach الأندلس

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Re: Mit der Gailtalerin 9.060 km nach الأندلس

Beitrag von Nergal » Sa 11. Jan 2020, 14:33

Miguel de Cervantes ist hier allgegenwärtig. Sein imaginärer Don Quijote hielt sich gern auch in der hiesigen Gegend auf. Dementsprechend zieren Skulpturen des letzten spanischen Ritters und seines Dieners Sancho Pansa die Plaza Mayor.
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Don Quijote und Sancho Pansa vor der Iglesia de San Andrés
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Re: Mit der Gailtalerin 9.060 km nach الأندلس

Beitrag von Nergal » Sa 11. Jan 2020, 14:34

Ich nehme mir die Zeit, den günstigsten Standort für ein Foto zu ermitteln und danach gelassen auf den Moment zu warten, an dem die beiden Herren ganz unter sich sind.
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Re: Mit der Gailtalerin 9.060 km nach الأندلس

Beitrag von Nergal » Sa 11. Jan 2020, 14:35

Villanueva ist der Protoyp einer spanischen Landstadt: Eine erhabene Plaza Mayor mit großartigen Gebäuden um sie herum….
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Plaza Mayor von Villanueva
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Re: Mit der Gailtalerin 9.060 km nach الأندلس

Beitrag von Nergal » Sa 11. Jan 2020, 14:36

…und mit Häusern von überschaubarer Größe, sobald man sich nur wenige Meter von der Plaza Mayor wegbewegt. Auf der Rückfahrt bieten mir zwei Halbstarke auf Zweitaktern, die sie gern zu spektakulären Wheelis hochreißen, ein Wettrennen an. Bald müssen sie enttäuscht erkennen, dass ich mich nicht darauf einlasse. Auf kreischenden Untersätzen ziehen sie in tief gebückter Haltung von dannen. Dem letzten zieht es das T-Shirt dermaßen aus der nach unten gerutschten Jeans, dass er mir sein schönstes Maurerdekolleté präsentiert. Ich grinse dreckig.
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Gasse in Villanueva
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Re: Mit der Gailtalerin 9.060 km nach الأندلس

Beitrag von Nergal » Sa 11. Jan 2020, 14:37

14. Juni: Nachts hat es ein wenig geregnet, aber morgens ist wieder alles trocken. Beim Frühstück entdecke ich, dass mir die Ameisen Löcher in das Innenzelt gefressen haben. Saubande! Zelt und Poncho sind trotz zwischenzeitlicher Reinigungen völlig verdreckt. Der Wind und der feine Sand des Waldbodens verrichten ganze Arbeit. Wenn mir die Spanier einen ehrenden Titel verleihen wollten, käme „El Cid“ wohl nicht infrage. Für „El Cerdo“ würde es aber locker reichen. Vor meiner Abfahrt schwatze ich mit einem spanischen Motorradfahrer. Er meint: „Most of the people in Germany are very cold!“ Wer wollte ihm da widersprechen? Auch wegen der freundlich(er)en Menschen fahre ich gern nach Spanien. Gegen 11 Uhr komme ich los. Da mein Ziel weit entfernt liegt, nehme ich die N 322, eine Schnellstraße, in Richtung Südwesten. Sie wird leider gerade ausgebaut. Zahllose Baufahrzeuge wirbeln Unmengen von Staub auf, so dass ich es vorziehe, im Leerlauf oder mit ausgeschaltetem Motor an ihnen vorbeizurollen, um den Luftfilter zu schützen.

Mit über 34.000 Einwohner ist Úbeda ein ganz anderes Kaliber als die bislang besuchten Städte. Es gilt als Wegbereiter der Renaissance in Spanien und gehört seit 2003 zum UNESCO-Weltkulturerbe. Bei der Einfahrt in die Stadt passiere ich ein ausgedehntes Industriegebiet, was mich glauben lässt, dies werde wohl nur ein kurzer Besuch. Von wegen! Es empfängt mich eine äußerst beeindruckende Renaissance-Altstadt. Das erste Bauwerk, das ich ansteuere, ist die von Andrés de Vandelvira entworfene Erlöserkapelle. Ihr bloßer Anblick reicht aus, um mich in Verzückung zu versetzen.
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Sacra Capilla del Salvador
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Re: Mit der Gailtalerin 9.060 km nach الأندلس

Beitrag von Nergal » Sa 11. Jan 2020, 14:38

Wunderbar auch das Innere der Erlöserkapelle. Da ich kurz vor der mittäglichen Schließung eintrete, habe ich nur wenig Zeit, um alles in mir aufzunehmen. Immerhin gelingt mir mit meiner Uralt-Rollei 35 SE aus freier Hand ein Foto der schönen Orgel. Ohne Blitzlicht, versteht sich. Dass der Audio-Guide Werke des italienischen Barockkomponisten Vivaldi spielt und nicht wenigstens an diesem Ort einem der spanischen Meister aus der Renaissance den Vorzug gibt, gehört zu den Kuriositäten spanischer Kulturpolitik, die ich nicht verstehe.
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Re: Mit der Gailtalerin 9.060 km nach الأندلس

Beitrag von Nergal » Sa 11. Jan 2020, 14:42

Nach dem Kirchenbesuch unternehme ich einen Stadtbummel durch die von der Renaissance stark geprägte Innenstadt. Da die Temperatur nur 21 Grad beträgt, kann ich in meiner Motorradjacke durch die Gegend stiefeln. Mit meinem 50 Jahre alten Leder-Brustbeutel und der ausgeblichenen Stofftasche mit dem Stuttgart-Logo über der Schulter falle ich hoffentlich nicht allzu unangenehm auf. Ob ich für die baden-württembergische Landeshauptstadt wirklich eine gelungene Werbung darstelle, sei mal dahingestellt. Stimmt schon: „I’m an alien, I’m a fossil, I’m a German Motocyclist in Spain.“
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Palacio Vela de los Cobos in Úbeda
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Re: Mit der Gailtalerin 9.060 km nach الأندلس

Beitrag von Nergal » Sa 11. Jan 2020, 14:45

Die Rückfahrt wird mir ewig im Gedächtnis bleiben. Wegen der Staubstürme an den Baustellen will ich die Nationalstraße rasch wieder verlassen und biege in Richtung Sierra auf eine Nebenstraße ab. Als die schmale Teerdecke aufhört und in eine Art Feldweg übergeht, packen mich gehörige Zweifel.
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Hier wusste ich noch nicht, dass ich bald auf dem Gebirgskamm im Hintergrund Motorradfahren würde!
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Re: Mit der Gailtalerin 9.060 km nach الأندلس

Beitrag von Nergal » Sa 11. Jan 2020, 14:46

Ich schalte das Navi ein und gebe den Zeltplatz als Ziel an. Ja, ja, meint das Navi, die Strecke ist schon OK! Bald mutiert der Feldweg zu einer ausgewaschenen Geröllpiste, die steile Spitzkehren für mich bereithält, in denen kopfgroße Wacker zu umfahren sind. Auf der Ligurischen Grenzkammstraße fand ich 1985 kaum schlechtere Verhältnisse vor. Das Navi meint aber weiter, es wäre alles OK so. Aha! Ich kehre auch deshalb nicht um, weil ich die steilen Anstiege nicht in der Gegenrichtung befahren will. Nach Dutzenden Kilometern warnt mich der gute Garmin: „Unbefestigte Straße voraus!“ So, so! Das hätte ich sonst nicht bemerkt. Ich passiere Schilder mit der Aufschrift, dass das Passieren der Strecke mit Motorfahrzeugen strengstens untersagt sei. Das ist einerseits beruhigend, denn man hält das Befahren immerhin für technisch möglich. Anderseits sehe ich meine Domi bereits am Haken eines Hubschraubers zu Tal fliegen und mich bei Wasser und Brot darüber nachdenken, wie ich die Kosten dafür aufbringen soll. Jetzt ein Sturz und ich bekäme den Bock nicht mehr hoch; jetzt eine Verletzung und die Geier würden sich in dieser einsamen Gegend auf mich stürzen. Von mir bliebe allenfalls ein ausgebleichtes Gerippe übrig. Ich preise meine Voraussicht, nicht mit der BMW K 75 gefahren zu sein. Das Navi ist jetzt vollends verrückt geworden: Blieb die von ihm errechnete Ankunftszeit bislang stabil, so wird sie nun immer weiter nach hinten verlegt, je länger ich im Gebirge herumgurke. Offenbar habe ich eine Abzweigung verpasst. Sche…! Ich schalte das nutzlose Mistding endlich aus.
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Re: Mit der Gailtalerin 9.060 km nach الأندلس

Beitrag von Nergal » Sa 11. Jan 2020, 14:47

Irgendwann geht die Schotterpiste in eine winzige geteerte Straße über. Sie bringt mich nach zwei Stunden Irrfahrt ungefähr dorthin, wo ich meinen Rundkurs begann. Notgedrungen nehme ich nun die Schnellstraße, die aber jetzt gar nicht schnell ist, weil ein Streifenwagen mit 80 Sachen lange vor mir herzuckelt. Nicht nur ich, sondern alle spanischen Autofahrer verhalten sich plötzlich auffällig gesetzestreu. Spät abends, 10 Stunden nach meiner Abfahrt, biege ich endlich auf den Platz ein. 8 ½ Stunden davon habe ich auf dem Bock gesessen, wiederum zwei davon auf der Motocross-Piste zugebracht. Na also, der alte Hase kann’s ja doch noch. Abendessen gibt’s allerdings heute nur in Form von Käse und Weißbrot. Zum Abkochen verspüre ich keinerlei Lust, wohl aber zu meiner musikalischen Abendsoirée mit Rock und Rotwein. Erst gegen halb eins bin ich bettreif.

15. Juni: Der Tag beginnt sonnig und kühl. Gegen 11 Uhr sattle ich die Domi und schraube mich hoch ins Gebirge, wo ich über kleine, einsame Pisten nach Südwesten tuckere. Immer wieder halte ich an, um mich an der weiten Sicht über das Land zu laben.
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Re: Mit der Gailtalerin 9.060 km nach الأندلس

Beitrag von Nergal » Sa 11. Jan 2020, 14:48

Ab Hornos geht es entlang des aufgestauten Guadalquivir nach Süden. Das Tempolimit beträgt hier nur 60 km/h. Ich hänge mich an zwei vor mir fahrende Schlachtschiffe (Goldwing und R 1200 RT), deren bärige Besatzung vorzüglich mit ihren Boliden harmoniert. Da ich die Strecke mittlerweile bestens kenne, kann ich mich voll auf die körperlichen Vorzüge der spärlich bekleideten Sozia vor mir konzentrieren. Dabei stelle ich mit Genugtuung fest, dass die Rückenpartie des mir angetrauten „Klammeräffchens“ doch einen wesentlich reizvolleren Anblick geboten haben muss. Aus nachvollziehbaren Gründen konnte ich das aber nie persönlich verifizieren. Das Ortsschild von Cazorla reißt mich aus meinen chauvinistischen Gedanken. Cazorla ist eine uralte Kleinstadt mit verwinkelten Gassen und mit einem maurischen Castillo. https://de.wikipedia.org/wiki/Cazorla
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Cazorla
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Re: Mit der Gailtalerin 9.060 km nach الأندلس

Beitrag von Nergal » Sa 11. Jan 2020, 14:50

Ich stelle das Moto auf der schattenlosen Plaza de la Corredera ab. Die Sonnencreme habe ich leider im Zelt liegenlassen. Mist! Bei großer Hitze erforsche ich die Innenstadt und verirre mich prompt im Gassengewirr. Die Sonne brennt mir derart ins Genick, dass ich die schwere Motorradjacke über den Kopf ziehe, um den Nacken zu schützen. Sie in dieser Position festzuhalten, erfordert unangenehme Verrenkungen der Arme. Außerdem kriegen meine Hände einen schmerzhaften Sonnenbrand.
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Plaza de la Corredera in Cazorla (ganz rechts die rote Gailtalerin)
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Re: Mit der Gailtalerin 9.060 km nach الأندلس

Beitrag von Nergal » Sa 11. Jan 2020, 14:52

Vor der Ruine der Iglesia de Santa Maria hockt ein Obdachloser, der sich zunächst rührend um einen Hund kümmert. Plötzlich aber flippt er aus und tritt nach dem Tier. Dann beruhigt er sich wieder. Es ist ganz sicher kein Spaß, obdachlos zu sein.
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Iglesia de Santa Maria in Cazorla
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Re: Mit der Gailtalerin 9.060 km nach الأندلس

Beitrag von Nergal » Sa 11. Jan 2020, 14:53

Wegen der Hitze laufe ich nicht zum Castillo hoch, sondern benutze das Motorrad. Oben treffe ich auf eine junge Familie, die begehrliche Blicke auf meine Alu-Koffer wirft. Sie reden wild auf mich ein und zerren mich zu ihrem Auto. Aus dem Kofferraum holen sie Speck und einen Gaskocher. Die junge Frau legt beschwörend eine Hand auf den Kocher und deutet auf meine Koffer. Ich stehe völlig ratlos daneben. Ein elektronischer Translator hilft mir endlich vom Schlauch runter. Die Familie will ihren Speck braten und hat die Pfanne vergessen. In meinem Koffer vermuten sie eine. Voller Bedauern muss ich passen. Eine göttliche Szene, die ich mir in Deutschland nicht vorstellen kann. Sie zeigt, wie offen und unkompliziert die Spanier sind. Der vorgerückten Uhrzeit wegen verzichte ich darauf, die Öffnung des Castillos abzuwarten. Auf der Rückfahrt kann ich mit Sigrid telefonieren. Zu Hause ist alles OK. Ansonsten ist alles wie immer, nur schlimmer: Trump zündelt im Iran; England will Assange an die USA ausliefern, und in London ist noch nicht klar, wer Premierminister werden wird.
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Castillo von Cazorla
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Re: Mit der Gailtalerin 9.060 km nach الأندلس

Beitrag von Nergal » Sa 11. Jan 2020, 14:54

16. Juni: Heute ist mein letzter Ausflugstag. Die Sonne verbirgt sich hinter den Wolken. Es ist kühl, also gutes Wetter für eine Stadtbesichtigung. Ich nehme meinen üblichen Weg durch die Sierras. Da es Sonntag ist, bevölkern unzählige Motorradfahrer die kurvenreichen Straßen. Sie überholen nach Kamikaze-Art und heizen, als gäbe es kein Morgen. In Deutschland wäre die Hälfte von ihnen bereits nach einem Jahr ihren Lappen los, nach drei Jahren – sofern noch am Leben – wohl alle. Bei Siles versägt mich in tief gebückter Haltung einer der Supersportler. Seine Sozia thront fast einen halben Meter höher als er. Sie muss sich extrem tief bücken, um Halt an seinem Oberkörper zu finden. Ihr in die Höhe gereckter Bürzel wirkt frivol. Ein Bild für die Götter, das sich mir auf längeren Geraden rasch entzieht, auf kurvenreichen Abschnitten aber wieder näherkommt.
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In der Sierra de Cazorla
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Re: Mit der Gailtalerin 9.060 km nach الأندلس

Beitrag von Nergal » Sa 11. Jan 2020, 14:55

Mein heutiges Ziel ist Baeza, https://de.wikipedia.org/wiki/Baeza eine seit der Antike bestehende Bischofsstadt mit herrlichem Renaissance-Ambiente, das die UNESCO in ihre Weltkulturerbe-Liste aufgenommen hat. Mein Weg führt mich zunächst in die Kathedrale, deren Turm ich in der Hoffnung besteige, ein schönes Foto der Stadt schießen zu können. Leider ein Fall von Denkste!
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Fuente de Santa Maria vor der Kathedrale von Baeza
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Re: Mit der Gailtalerin 9.060 km nach الأندلس

Beitrag von Nergal » Sa 11. Jan 2020, 14:56

Ich begnüge mich mit einem Foto der Predigerkanzel im Inneren der Kathedrale.
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in der Kathedrale von Baeza
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Re: Mit der Gailtalerin 9.060 km nach الأندلس

Beitrag von Nergal » Sa 11. Jan 2020, 14:57

Danach kommt der obligatorische Stadtrundgang. Trotz meines abenteuerlichen Outfits vertraut mir eine Familie ihr kostbares Smartphone an, damit ich sie vor der schönen Kulisse fotografiere. Ich enttäusche sie nicht.
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Palacio de Jabalquito in Baeza
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Re: Mit der Gailtalerin 9.060 km nach الأندلس

Beitrag von Nergal » Sa 11. Jan 2020, 14:59

Auf dem Rückweg durchstreife ich zum letzten Mal die von mir geliebten Sierras und mache noch zwei, drei Bilder von der spektakulären Umgebung.
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Re: Mit der Gailtalerin 9.060 km nach الأندلس

Beitrag von Nergal » Sa 11. Jan 2020, 15:01

Auf dem Platz zurückgekehrt zahle ich 211 € für 16 Nächte. Alvaro macht ein Bild von mir und meiner Gailtalerin. Mit ihr habe ich rund um Riópar über 3.000 km in den Sierras zurückgelegt. Der wackere Alvaro stellt das Foto später in den werbenden Facebook-Account des Campingplatzes.

https://www.facebook.com/campingriomund ... =3&theater
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Beitrag von Nergal » Sa 11. Jan 2020, 15:02

17. Juni: Einen Tag vor meiner Abreise lege ich einen Ruhe- und Packtag ein. Nach dem Frühstück will ich in Riópar ein paar Einkäufe machen und lege bei der Hinfahrt einen Fotostopp beim ruinösen Walzwerk der alten Bronzefabrik ein. Das ist mein Glück, denn so bemerke ich rechtzeitig, dass sich mein gefüllter Ölkanister vom Koffer gelöst hat. Mit Adleraugen tuckere ich wenige Kilometer zurück und finde den Kanister unversehrt auf der Zufahrt zum Campingplatz. Nicht auszudenken, wenn da ein Auto darüber gerollt wäre. Nachmittags packe ich vor und verkürze das Zelt um ein Element. Die Ameisen haben leider ganze Arbeit geleistet und die Außenhülle mehrfach perforiert.
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Das ehemalige Walzwerk (El Laminador) bei Riópar
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Re: Mit der Gailtalerin 9.060 km nach الأندلس

Beitrag von Nergal » Sa 11. Jan 2020, 15:03

18. Juni: Abreisetag! Gegen sieben Uhr stehe ich auf, frühstücke Kekse zum Kaffee – und belade dann meinen Packesel. Um halb elf bin ich fertig. Eine Flasche Mineralwasser kriege ich leider nicht mehr unter. Ich schenke sie einer holländischen Familie, die mich gestern in ein Gespräch verwickelte. Der Plausch verlief eher einseitig und diente meinem Gegenüber mehr der Zurschaustellung des eigenen Sozialstatus als einem echten Gedankenaustausch. Sei’s drum! Bei sonnigem Wetter tuckere ich los. Schöne Fotomotive lasse ich nicht unbeachtet – schließlich bin ich ja noch immer im Urlaub!
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Las Penas de San Pedro
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Beitrag von Nergal » Sa 11. Jan 2020, 15:04

Als ich aus größerer Distanz ein Knoblauchfeld fotografiere, das gerade abgeerntet wird, stoße ich auf eine angespannte Stimmung. Rasch trete ich den Rückzug an.
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Knoblauchernte vor Albacete
Knoblauchernte vor Albacete

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Beitrag von Nergal » Sa 11. Jan 2020, 15:05

Mein Navi habe ich ausgeschaltet. Trotz ausgiebig eingepflegter Zwischenstationen will es meist eine andere Route nehmen, als ich sie mir per Karte ausgesucht habe. In Albacete rächt sich das. In der Stadt komme ich vom Kurs ab und irre 20 Minuten orientierungslos umher. Ausgerechnet hier! Die Gegend um Albacete gehört zweifellos zu jenen Regionen Spaniens, die man gern zügig durchquert. Hinter Requena wird die Landschaft dann endlich wieder abwechslungsreich. Der weite Blick in die karge Landschaft fasziniert mich stets aus Neue.
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Blick über die Sierra del Pobo
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Re: Mit der Gailtalerin 9.060 km nach الأندلس

Beitrag von Nergal » Sa 11. Jan 2020, 15:06

Nördlich Teruel suche ich verzweifelt nach etwas Schatten, um eine Rast hinzulegen. Nirgends ein Baum. Da die Sonne senkrecht am Himmel steht, bieten auch Mauern keinen Schatten. Erst nach einer Stunde werde ich fündig. Die Dörfer sind hier klein und liegen sehr verstreut. Sähe man nicht manchmal moderne Autos, könnte man glauben, um 80 Jahre in der Zeit zurückversetzt worden zu sein. Mittelstand und Kleingewerbe dominieren die ländliche Wirtschaftsstruktur. Mir gefällt das. Die Kehrseite: Das Land blutet aus. Die Jungen gehen in die Großstädte und an die Küste.
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Ländliche Idylle entlang der A 226
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An der A 226
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