Mit der Gailtalerin 9.060 km nach الأندلس

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Re: Mit der Gailtalerin 9.060 km nach الأندلس

Beitrag von Nergal » Sa 11. Jan 2020, 15:07

Ich steuere denselben kleinen Zeltplatz an, den ich bereits bei der Hinfahrt nutzte. Hinter Mirambel verfranze ich mich und lande im Tal des Bergantes. Gottseidank! Das kleine Gewässer fließt hier in so malerischer Landschaft, dass ich am folgenden Tag eine halbe Stunde im Flussbett herumstapfe, um ein schönes Foto zu schießen.
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Der Rio Bergantes
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Re: Mit der Gailtalerin 9.060 km nach الأندلس

Beitrag von Nergal » Sa 11. Jan 2020, 15:08

Spät erreiche ich den Platz in Mas de las Matas. https://camping-la-palanca-del-mas.webnode.es/ Nach der langen Fahrt bin ich unkonzentriert und vergesse, einen Gang einzulegen, bevor ich absteige. Die Quittung erfolgt umgehend: Die Gailtalerin rollt über den Seitenständer nach vorn ab und legt sich hin. Felix, der Platzeigner, springt sofort herbei. Nur gemeinsam schaffen wir es, die schwere Fuhre wiederaufzurichten. Passiert ist gottseidank nichts. Das Blockhütten-Restaurant im Hintergrund des Bildes wird mich an den folgenden Abenden mit einfachen, aber wohlschmeckenden Speisen versorgen. Eigentlich wollte ich ja nur eine einzige Nacht hierbleiben, aber ein Telefonat mit Sigrid bringt mir die Erkenntnis, meinem nächsten Etappenziel (Frankreich) des Wetters wegen noch etwas fernzubleiben. Gerührt danke ich meinem zickigen Handy, das unerwartet Einsicht bewies und, leider nur vorübergehend, seine Funktion aufnahm.
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Auf dem Campingplatz in Mas de las Matas
Auf dem Campingplatz in Mas de las Matas

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Re: Mit der Gailtalerin 9.060 km nach الأندلس

Beitrag von Nergal » Sa 11. Jan 2020, 15:09

19. Juni: Der Tag ist sonnig und warm. Ich richte den verdrehten Domi-Spiegel, fülle den Scottoiler auf und suche in meinem Reiseführer nach lohnenden Besichtigungszielen. Frankreich reizt mich gar nicht mehr. Früher war das anders. In dem stets etwas schmuddelig wirkenden Land war die Welt in den 1970ern und 1980ern noch in Ordnung. Der Mittelstand hatte sein Auskommen. Die früher an jeder Ecke zu findenden Tankstellen, Bar-Tabacs und kleine Lebensmittelläden sucht man heute meist vergeblich. Unterschiede zu Deutschland kann ich kaum mehr erkennen. Alles ist ordentlich und wirkt wie geleckt – aber auch langweilig. Jetzt hat die französische Regierung auch noch den Verkehrsteilnehmer zum Dukatenesel befördert. Mit Tempolimits und einer inflationären Zahl von Radarfallen wird abkassiert. Nicht so in Spanien. Da bleibe ich lieber hier. Ha, nimm das, Macron!

Ich entscheide mich wieder mal, Morella aufzusuchen. https://de.wikipedia.org/wiki/Morella Die uralte, militärstrategisch wichtige Stadt liegt auf einem Felsen hoch über dem Rio Bergantes und kontrolliert eine der Hauptverbindungen zwischen dem Ebro und dem Mittelmeer. Ihr Herrschaftsgebiet, eine rund 1.000 km² große Ebene, lässt sich von den Zinnen ihrer Burg mühelos überblicken. Seit ich 1990 zum ersten Mal hier war, fasziniert mich diese Stadt.
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Auf dem Weg nach Morella
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Re: Mit der Gailtalerin 9.060 km nach الأندلس

Beitrag von Nergal » Sa 11. Jan 2020, 15:10

Dank ihrer strategischen Lage haben sich schon Römer, Westgoten, Mauren und christliche Ritter architektonisch in Morella verewigt. Insbesondere die berüchtigten Tempelritter hatten hier ihr Herrschaftsgebiet. Ich stelle die Domi vor der Stadt ab und mache mich auf einen schweißtreibenden Fußmarsch bei sengender Hitze gefasst.
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Vor den Toren Morellas
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Re: Mit der Gailtalerin 9.060 km nach الأندلس

Beitrag von Nergal » Sa 11. Jan 2020, 15:12

Die malerischen engen Gassen müsste man eigentlich fotografieren. Leider ist mein Filmmaterial knapp geworden. Schwitzend stiefele ich mühsam zur gotische Basilika Santa Maria hoch. In deren Innerem genieße ich das prächtige Interieur, vor allem aber die dort herrschende Kühle. Als einen Höhepunkt der Besichtigung empfinde ich die mit jahrhundertealten Nägeln im Mudéjar-Stil verzierte Haupttür der Basilika. Dazu muss man allerdings aus der kühlen Kirche wieder hinaustreten – leider!
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Basilika Santa Maria la Mayor in Morella
Basilika Santa Maria la Mayor in Morella
Haupttür der Basilika Santa Maria
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Re: Mit der Gailtalerin 9.060 km nach الأندلس

Beitrag von Nergal » Sa 11. Jan 2020, 15:13

Danach geht es zur Festung hoch. Als ich ein Bild vom Kreuzgang des untersten Teils der Festung schieße, wird mir klar, was mir bevorsteht. Gottseidank ist der Kassenraum klimatisiert und verfügt über einen Automaten mit gekühlten Getränken. Nach einer halben Stunde sehe ich ein, dass ich keinerlei Ausrede mehr habe, noch länger hier unten zu trödeln.
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Kreuzgang im unteren Teil der Festung von Morella
Kreuzgang im unteren Teil der Festung von Morella

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Re: Mit der Gailtalerin 9.060 km nach الأندلس

Beitrag von Nergal » Sa 11. Jan 2020, 15:14

Es folgt ein mühsamer Aufstieg. Die Festung spielte in den Carlistenkriegen des 19 Jahrhunderts eine wichtige strategische Rolle und wurde bis in die 1920er Jahre hinein vom Militär unterhalten. Kurios: Während im übrigen Europa Stadtmauern als Verkehrs- und Entwicklungshindernisse niedergerissen wurden, verstärkte man sie in Morella. Die heute noch hier stehenden Geschütze künden davon.
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Geschütze des 19. Jahrhunderts in Morella
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Re: Mit der Gailtalerin 9.060 km nach الأندلس

Beitrag von Nergal » Sa 11. Jan 2020, 15:15

Über eine steile Treppe erreicht man schließlich den mittelalterlichen Kern der Burg, von wo man einen überwältigenden Rundblick über das Land genießen kann.
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Treppe zur obersten Burgebene in Morella
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Re: Mit der Gailtalerin 9.060 km nach الأندلس

Beitrag von Nergal » Sa 11. Jan 2020, 15:16

Zurück in den engen Gassen der Stadt gelingt es mir tatsächlich, einer 200er Film für meine „camera antiqua“ zu ergattern. Er liegt nicht in der Auslage, sondern ist „Bückware“, nach der man gesondert fragen muss. So etwas scheint nicht mehr oft verlangt zu werden. Gegen 17 Uhr verlasse ich die alte Stadt nicht ohne auf einem gegenüberliegenden Hügel anzuhalten, um ein Panoramafoto von ihr zu machen. Hoffentlich sehen wir uns bald wieder!
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Morella
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Re: Mit der Gailtalerin 9.060 km nach الأندلس

Beitrag von Nergal » Sa 11. Jan 2020, 15:17

20. Juni: Herrlich es Wetter, sonnig und warm. Ich fahre heute einen rund 160 km langen Rundkurs im dünn besiedelten Maestrazgo ab. Der Name ist abgeleitet vom Wort „Maestres“ (Meister). So nannten sich die Tempelritter, die überall ihre architektonischen Spuren hinterließen. Diese Überbleibsel aufzuspüren, stellt meine heutige Aufgabe dar. Mein Weg führt mich zunächst nach Ares del Maestre. https://en.wikipedia.org/wiki/Ares_del_Maestrat Der kleine Ort liegt unter einem 1318 Meter hohen Felsen. Die Lage fordert zu einem Foto geradezu heraus.
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Ares del Maestre
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In den Gassen von Ares
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Re: Mit der Gailtalerin 9.060 km nach الأندلس

Beitrag von Nergal » Sa 11. Jan 2020, 15:18

Mein Weg durch das Maestrazgo führt mich vorbei an mittelalterlichen Brücken bei winzigen Dörfern, in denen die Zeit stehengeblieben zu sein scheint.
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Alte Brücke im Maestrazgo
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Re: Mit der Gailtalerin 9.060 km nach الأندلس

Beitrag von Nergal » Sa 11. Jan 2020, 15:20

Danach geht es weiter ins Ministädtchen La Iglesuela del Cid, das mit einem malerischen Ensemble um seine Kirche aufwarten kann. Besondere Leckerbissen sind die kunstvoll geschnitzten Ornamente im Traufbereich einiger Häuser. https://en.wikipedia.org/wiki/La_Iglesuela_del_Cid
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La Iglesuela del Cid
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La Iglesuela del Cid
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Re: Mit der Gailtalerin 9.060 km nach الأندلس

Beitrag von Nergal » Sa 11. Jan 2020, 15:21

In Cantavieja https://en.wikipedia.org/wiki/Cantavieja schaue ich mir den arkadengesäumten Hauptplatz an…
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Cantavieja
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Re: Mit der Gailtalerin 9.060 km nach الأندلس

Beitrag von Nergal » Sa 11. Jan 2020, 15:22

…und in Mirambel https://en.wikipedia.org/wiki/Mirambel die mittelalterlichen Stadtmauern und -tore. Alle diese Orte wirken mittags wie ausgestorben. Sie beherbergen nur wenige Einwohner. In Mirambel sind es rund 100, in Cantavieja etwas mehr als 700. Seit dem Mittelalter hat hier kein Wachstum stattgefunden. Nicht wenige Gebäude stehen zum Verkauf, viele sind sorgfältig gepflegt.
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Mirambel
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Re: Mit der Gailtalerin 9.060 km nach الأندلس

Beitrag von Nergal » Sa 11. Jan 2020, 15:23

Abends erlebe ich ein seltenes Naturereignis: Ein Gewitter mit heftigen Regengüssen tobt über dem Platz. Es soll das einzige Phänomen dieser Art auf meiner vierwöchigen Reise bleiben. Eilends decke ich den Ledersitz des Motos mit einem Poncho ab. Das Leder ist zwar angeblich hyrophobiert, aber sicher ist sicher! Trotz diverser Ameisenlöcher bleibt es trocken im Zelt. Dem Himmel sei Dank!
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Gleich regnet es!
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Re: Mit der Gailtalerin 9.060 km nach الأندلس

Beitrag von Nergal » Sa 11. Jan 2020, 15:24

Wegen des Regens nehme ich mein Abendessen in der Blockhütte ein. Auf diese Weise kann ich interessante Sozialstudien treiben. An der Theke sitzen jeden Tag dieselben Gäste. Einer kommt grundsätzlich in schwarzer Hose und weißem Hemd. Vor den Augen sitzt stets eine undurchdringliche Sonnenbrille, egal wie hell oder wie dunkel es ist. Ich frage mich, ob seine Vorfahren aus Corleone stammen. In der Gaststube läuft immer der Fernseher. Das Programm ist von DMAX. Die Beiträge sind auch ohne Spanischkenntnisse zu verstehen. Die Protagonisten sind starke, rundum tätowierte Muskelpakete und blonde Engel mit großen äh…Ohren. Die Typen schrauben an PS-starken Autos herum und äußern sich irgendwie männlich. Die Rolle der Blondinen habe ich noch nicht ganz begriffen.

Die Wirtsleute heißen Carmen und Felix. Wenn ich es richtig beobachtet habe, dann wohnen sie in einem großen Wohnwagen, der auf ihrem Zeltplatz steht. Dies erklärt auch die Hingabe, mit der sie das Grün auf ihrem Anwesen pflegen. Carmen und Felix sind wunderbare Menschen. Bereits am zweiten Tag überreichen sie mir den Hauptschlüssel zum Campingplatz, damit ich ungehindert aus- und einfahren kann, wenn sie mal nicht da sind. Ihr Vertrauen rührt mich. Im Laufe der wenigen Tage, an denen ich bei ihnen zu Gast sein darf, entwickelt sich etwas zwischen uns, das an Freundschaft grenzt. Als ich einige Tage später abfahre, ist der Abschied ein überaus herzlicher.
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Meine wunderbaren Gastgeber Carmen und Felix
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Re: Mit der Gailtalerin 9.060 km nach الأندلس

Beitrag von Nergal » Sa 11. Jan 2020, 15:25

21. Juni: Morgens ist der Himmel bedeckt, weshalb es etwas dauert, bis ich aus den Federn komme. Während ich noch im Schlafsack liege, springt der verhaltensauffällige Platz-Kater auf das Zeltdach, um einen Vogel zu erwischen. Ich boxe ihm reflexartig von unten gegen die Pfoten. Leider kann das auch nichts mehr daran ändern, dass mein Zelt nun weitere Löcher im First hat. Elendes Mistvieh! Gegen 10 Uhr nehme ich dann endlich mein Frühstück ein. Es besteht aus Käse und Knäckebrot, das eine Reise von 6.000 km hinter sich hat. Ich will meine Notvorräte reduzieren.
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Frühstück ist fertig!
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Re: Mit der Gailtalerin 9.060 km nach الأندلس

Beitrag von Nergal » Sa 11. Jan 2020, 15:27

Heute zieht es mich nach Valderobres https://de.wikipedia.org/wiki/Valderrobres. Dies ist eine sehr alte Kleinstadt mit einem Kastell, das den Königen von Aragon einst als Palast diente. Außerdem gibt dort es eine imposante gotische Kirche. Unterwegs stoße ich auf eine Straßensperrung, die ich durch einen beherzten Ritt über einen parallellaufenden Feldweg umgehen will. Nach 45 Minuten Fahrt über geschotterte Pisten lande ich wieder da, wo ich eingestiegen war. In Valderobres angekommen, durchstöbere ich die menschenleere Altstadt und steige zum Kastell hoch. Leider ist es geschlossen. Auf die Öffnung in zwei Stunden mag ich nicht warten und begnüge mich mit einigen Fotos.
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Valderobres
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Re: Mit der Gailtalerin 9.060 km nach الأندلس

Beitrag von Nergal » Sa 11. Jan 2020, 15:28

Morgen möchte ich abfahren. Castillos und Landstädtchen habe ich zur Genüge besichtigt, einsame Landstraßen hinreichend unter die Räder genommen. Ein Telefonat mit Sigrid überzeugt mich davon, des Wetters wegen noch einen Tag dranzuhängen. Also leihe ich mir von Carmen ein Buch über das Maestrazgo aus und finde darin noch einige lohnende Ziele. Während ich das Buch studiere, belästigt der verhaltensauffällige Platz-Kater die Essensgäste. Carmen meint, manchmal könne er ein richtiger Mistkerl sein. Wem sagt sie das? Und wer weiß schon, wie er seinen halben Schwanz eingebüßt hat. Ich vermute mal, es handelt sich um einen direkten Nachfahren des berüchtigten Kater Karlo. Viel sympathischer ist mir eine kleine, sehr magere Katze mit ihren Jungen. Anfangs habe ich drei gezählt, später zwei, heute Abend ist nur noch eines zu sehen.

22. Juni: Morgens besorge ich mir Vorräte in Mas, darunter zwei Dosen Katzenfutter. Die Frau an der Kasse staunt. Der fremde Motorradfahrer wird doch wohl keine Katze mit sich führen – oder doch? Woher soll sie denn auch wissen, dass deutsche Biker auf Katzenfutter stehen! Gegen 11 Uhr trete ich meine letzte Rundreise von Mas aus an. Bei Pantano fotografiere ich einen funktionslosen Staudamm im Embalse de Santolea. Man hat einen weiteren Damm oberhalb errichtet, um auf dem Grund des unteren Staubeckens Bodenschätze abzubauen.

https://www.bing.com/images/search?q=em ... &FORM=IGRE
https://www.acuaes.com/actuacion/recrec ... -santolea
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Embalse de Santolea
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Re: Mit der Gailtalerin 9.060 km nach الأندلس

Beitrag von Nergal » Sa 11. Jan 2020, 15:30

Bei Las Cuevas de Canart fotografiere ich eine ruinöse Barockkirche, von deren Obergeschoss nur noch die Kreuzrippen stehen. Es ist schon ein seltsamer Kontrast: So wirkt der Stuck mit seinen vielen Reliefs im Kircheninneren teils noch völlig intakt, anderseits ist die Fassade stark ruinös. Der Ort selbst wirkt wie eine Postkartenidylle à la Spitzweg – wunderschön und leicht morbide. Ich tuckere mit der Honda durch die steilen und engen Gassen, kann aber nirgends das Moto abstellen, um ein Foto zu machen.

https://www.youtube.com/watch?v=rhzRtPjf7ts
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Kirchenruine bei Las Cuevas de Canart
Kirchenruine bei Las Cuevas de Canart
Kirchenruine bei Las Cuevas de Canart
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Re: Mit der Gailtalerin 9.060 km nach الأندلس

Beitrag von Nergal » Sa 11. Jan 2020, 15:31

Hinter Las Cuevas führt eine schmale Rüttelpiste ins Gebirge. Ich mache noch ein Foto des Orts und bin für die nächsten 20 Kilometer in einer Umgebung unterwegs, die mich stark berührt: einsam, erhaben, kein einziger Mensch weit und breit. Jetzt bloß keine Panne! Leider muss es in dieser schönen Gegend einen gewaltigen Waldbrand gegeben haben, der sich über eine lange Strecke bis nach Ejulve und weiter nach Aliaga hinzieht.
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Blick auf Las Cuervas de Canart
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Beitrag von Nergal » Sa 11. Jan 2020, 15:32

Aliaga empfängt mich mit einem unerwarteten Anblick. Eigentlich bin ich hierhergekommen, um die örtliche Burg zu besichtigen. Stattdessen säumen schwarze Halden die Straße. Wenige Kilometer vor Aliaga stoße ich plötzlich auf die Central Térmica - ein äußerst beeindruckendes Industriedenkmal: Das Kohlekraftwerk wurde 1949 errichtet, um die hiesige Braunkohle zu verstromen. 1982 erfolgte die Schließung des Betriebs, der lange Zeit als größtes und modernstes Kraftwerk Spaniens galt.

https://apudepa.com/centralaliaga/ https://es.wikipedia.org/wiki/Central_térmica_de_Aliaga
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Central Térmical de Aliaga
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Beitrag von Nergal » Sa 11. Jan 2020, 15:33

Es gibt sogar ein Bergbau-Museum in Aliaga, das aber leider geschlossen hat. Immerhin finde ich auch noch das Kastell. Den mühsamen Aufstieg erspare ich mir und begnüge mich mit einem Foto. Auf dem Rückweg werde ich spürbar müde. Fast vier Wochen bin ich nahezu jeden Tag auf dem Bock gewesen und habe dabei rund 6.500 km zurückgelegt, oft auf kleinen Nebenstraßen. Das hinterlässt irgendwann Spuren – jedenfalls in meinem Alter. Zurück auf dem Platz genieße ich eine Dusche, muss aber mangels frischer T-Shirts mein altes wieder überstreifen. Der dürren Katzenmutter spendiere ich eine Dose Fleisch. Nachts höre ich sie bitterlich klagen. Ihr letztes Junges ist offenbar auch verschwunden. Herzzerreißend!
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Castillo von Aliaga
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Beitrag von Nergal » Sa 11. Jan 2020, 15:35

23. Juni: Gegen halb acht komme ich aus den Federn und packe meine Sachen. Carmen und Felix bereiten mir einen warmherzigen Abschied. Für fünf Nächte samt Abendessen und Getränken zahle ich gerade einmal 110 €. Die Fahrt in Richtung Pyrenäen verläuft ohne besondere Vorkommnisse, wenn man einmal davon absieht, dass sich das Navi am eingegebenen Fahrtziel totrechnet. Nach 45 Minuten beende ich das nutzlose Spiel. Mein heutiges Ziel liegt in den Pyrenäen: Es ist die „Domaine St. Martin“ in Casteil, einem kleinen Ort bei Prades - rund 50 km westlich von Perpignan. Auf dem Platz war ich schon viele Male, zuletzt im Jahre 2017. Der Wirt erkennt mich sofort wieder. Zwar hat sein Restaurant zu, doch kriege ich von ihm wenigstens eine Pizza serviert. Zum Abkochen habe ich heute wirklich keine Lust! Als Standort sichere ich mir einen lauschigen Platz ganz oben auf dem gebirgigen Terrain. Ich nächtige weitab von allen anderen Gästen, leider aber auch von Dusche und Klo. Egal, meine Privatsphäre geht mir vor! Den signifikanten Höhenunterschied zwischen Rezeption und meiner Parzelle schaffe ich immer noch im Sturmschritt. Hoffentlich bleibt das noch lange so.

Abends kriege ich zum ersten Mal auf dieser Reise einen Klassiksender rein. Merci, France Musique! Die Nacht ist still, nur manchmal hört man den Gesang einer Eule oder Löwengebrüll. Letzteres kommt aus dem benachbarten Tierpark. Hoffentlich halten dort die Zäune! Morgens muss man sein Brot übrigens nicht selber holen. Der Patron bringt es persönlich nach oben und hängt die Tüte an den Lenker der Domi. https://domainesaintmartin.com
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Etappenziel Domaine St. Martin in Casteil
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Beitrag von Nergal » Sa 11. Jan 2020, 15:36

24. Juni: Es ist mal wieder Zeit für einen Ölwechsel. Passendes Synthetiköl im örtlichen Handel zu finden, erweist sich als fast unmöglich. Erst in Perpignan stoße ich darauf. Bis dahin habe ich rund 100 Kreisel durchfahren. Wer gerne im Kreis fährt, kommt in Frankreich voll auf seine Kosten. Da es das Öl nur im 4 Liter-Kanister gab, brauche ich für die überflüssigen zwei Liter ein Transportgefäß. In meinem Benzinkanister findet sich später das dringend gesuchte Volumen. Abends koche ich mir eine Fischsuppe aus dem Konservenglas. Köstlich! Das abendliche Telefonat mit Sigrid ergibt, dass ich gerade rechtzeitig aus Spanien verschwunden bin. Dort herrscht jetzt ein regnerisches Tief. Glück gehabt! Der Platz liegt nachts in völlige Dunkelheit. Die früher stets angeschaltete Wegbeleuchtung bleibt aus. Der Patron fährt neuerdings einen Sparkurs. In der Platzmitte wurde das (zweite) Männerklo geschlossen und die Damentoilette in ein Unisex-Klo verwandelt. Der – vor einiger Zeit erweiterte – Platz scheint nicht den erhofften Erfolg zu bringen. Sehr schade, denn seine Lage inmitten unberührter Natur ist erstklassig!
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Canyonwände über der Domaine St. Martin
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