Geschrieben am 30.12.2014:
Teil 3: Die Jahre 2003 bis 2006
2003:
Das war vielleicht ein Jahr. Vielleicht erinnert Ihr Euch auch noch daran: Das war das Jahr mit diesem superheißen, nicht enden wollenden Sommer. Auch sonst hatte das Jahr für mich einige Überraschungen offen, positive, aber auch negative, bevor ich dann gegen Ende der warmen Jahreszeit in ein imaginäres Loch gefallen bin. Aber der Reihe nach.
Nachdem durch meinen ersten richtigen Job nach dem Studium regelmäßig Geld in die "Kriegskasse" floss, wollte ich mir einen Wunsch erfüllen: Einen Youngtimer aus den 70er Jahren, möglichst schon 30 Jahre alt, damit man ihn als Oldtimer versichern und mit H-Kennzeichen fahren kann. Diesen Wunsch erfüllte ich mir im März in Form eines... naja... etwas verbastelten VW-Porsche 914. Da die Domi gut lief, hatte sich mein Fokus damit vom Zweirad mehr auf die (offene) Dose verlagert. Natürlich behielt ich die Domi. Mir war schon damals klar, dass ich bei einem Verkauf kaum noch vernünftiges Geld für sie bekommen würde. Aber der Kauf eines neue(re)n Motorrads verschob sich erst einmal auf unbestimmte Zeit. Auch wenn ich den Wagen letzten Endes nicht allzu lange fuhr und immer mal wieder eine Reparatur anstand, hatte ich meinen Spaß damit. Nichtsdestotrotz blieb ich meinen Motorradaktivitäten im Großen und Ganzen treu.
Zunächst war Anfang Mai wieder Endurotraining-Zeit. Ich fuhr wieder mit meiner gestrippten Domi gen Thüringen. Dank eines zweiten Felgensatzes, den ich mir günstig besorgte, konnte ich gleich zuhause die Geländereifen (TKC80 - der sich auch auf der Straße vernünftig fahren lässt) montieren und musste nicht mehr den Reifenmietservice in Anspruch nehmen. Im Jahr zuvor war das doch etwas anstrengend, nach dem Training beim Reifenhändler vorbeizufahren, wieder die eigenen Straßenpellen montieren zu lassen und dann auf eigener Achse heimzufahren. Das zog sich ziemlich, so dass ich erst gegen Mitternacht zuhause war. Dies wollte ich mir zukünftig ersparen.
Das Wetter war, oh Graus, fast genauso schlimm wie am Jahr zuvor. Als "Endurist" fängt man an, bereits Wochen im Voraus akribisch das Wetter zu beobachten. Und auch 2003 war der April eher nass. Ich hatte mich auf ähnliche Verhältnisse wie im Jahr zuvor vorbereitet. Aber es sollte dann doch ganz anders werden.
Samstags, an dem Tag an dem üblicherweise erstmal ein bisschen Technik auf der Crosspiste geübt wird, kam plötzlich böiger Wind auf. Der hatte jedoch auf wundersame Weise die Schlechtwetterwolken vertrieben, so dass am Sonntag, an dem Tag an dem die Überlandtour anstand, traumhaftes Wetter und fast schon zu staubige Verhältnisse herrschten. Zumindest unter meinem Helm und in meinen Augen sammelten sich rege die Staubkörner. Die Domi, seit dem Wechsel des Motors 2001 mit einem K&N Luftfilter unterwegs, bekam von mir vorsorglich wieder einen klassischen Papierluftfilter für's Training spendiert. Was ich auch spendiert bekam, war ein ordentlicher Rüffel vom Stefan Heßler, was mir einfiele, mit Schnürjeans und diesen halbhohen "Bikerturnschuhen" auf ein Endurotraining zu kommen. Ja, wie jetzt? Letztes Jahr war ich mit denselben Klamotten am Start und da war noch alles ok. Naja, gut... er hatte nicht Unrecht. Im Übrigen hat Stefan IMMER recht beim Thema Fahren im Gelände und richtiger Kleidung. Ich gelobte also Besserung beim nächsten Mal.
Hier ein paar Eindrücke von unserer Endurotraining Sonntagsausfahrt:
Wer schon einmal dabei gewesen ist, wird diese Passage auch gleich wiedererkennen. Genau an dieser Stelle waren wir im Jahr zuvor reihenweise gestrandet, weil sich der fiese Lehmboden, der gespickt ist mit Steinen, zwischen niedrigem Schutzblech und Vorderrad festgesetzt hatte und das Rad blockierte. Im Jahr darauf war es deutlich trockener. Aber auch im Trockenen ist diese Ecke mit Vorsicht zu genießen. Der Feldweg verfügt über tiefe Spurrinnen, und die in der Erde verstreuten Steine werden vom Vordermann gerne aufgewirbelt.

Meine allererste Wasserdurchfahrt. Auch diese Passage wird vom Stefan gerne eingebaut.
Gerade mal zwei Wochen später fand auch schon das dritte Domitreffen statt. Auch dieses fand erneut beim Hannes statt.
Das war auch der Tatsache geschuldet, dass Bayern nach wie vor im Forum am stärksten vertreten war. Auch war die Teilnehmerzahl im gleichen Rahmen wie die Jahre zuvor. Schön war es allemal. Und es war bereits Mitte Mai so warm, dass ein paar von uns nach der samstäglichen gemeinsamen Ausfahrt noch an den Baggersee zum Baden fuhr. Hier kassierte ich auch einen meiner seltenen Strafzettel mit dem Motorrad. Wir hatten die Domis nämlich einfach in einem angrenzenden Waldstück an die Bäume gelehnt. Das muss wohl ein Förster mit bekommen haben und verpasste jedem von uns ein Knöllchen wegen Falschparkens. Die Abkühlung im See hatte sich trotzdem gelohnt.
An Pfingsten fuhr ich mal wieder, ganz traditionell, zusammen mit meiner motorradfahrenden Verwandtschaft und ihren Freunden an den Bodensee. Üblicherweise war es bislang immer so, dass es entweder auf der Hinfahrt oder der Rückfahrt, oder sogar an beiden Tagen gepisst hatte. 2003 war da völlig anders. Das war das erste Jahr, dass ich runter zum Strand gefahren und im Bodensee gebadet habe. Ein Novum bislang. Dieses Jahr hätte das nach elf Jahren auch wieder geklappt, aber diese Tradition wurde nach fast 20 Jahren dann doch nicht mehr weitergepflegt.
Ende Juni "überraschte" mich mein damaliger Chef mit der Information, er müssen seinen Laden auf Vordermann bringen und gesundschrumpfen, da er von seiner Hausbank keinen neuen Kredit bekommen würde. Dass die Auftragslage mau war, hatte ich auch schon eine Zeitlang bemerkt, jedoch auch irgendwie die Augen davor verschlossen und mich nicht rechtzeitig nach einer Alternative umgeschaut. Tja, selber schuld. Leider flog ich, unverheiratet und kinderlos, als erster durch das soziale Auffangnetz. Ich nahm noch meinen Resturlaub und hatte auf einmal in diesem "Jahrhundertsommer" 2003 unerwartet viel Freizeit.
Zufälligerweise fiel genau an den Anfang meines Zwangsurlaubs die erste Domiforum-Alpentour.
Nachdem sich im Forum das Domitreffen und das Endurotraining etabliert hatten, kam als nächstes die Idee auf, eine gemeinsame Alpentour über ein verlängertes Wochenende zu starten. Fünf unerschrockene Forumisti trafen sich daher Mitte Juli zur ersten Domiforums-Alpentour. 5 Tage wurden veranschlagt. Da ich, wie bereits erwähnt, bereits (Rest-)Urlaub hatte, erlaubte ich mir den Spaß und fuhr bereits einen Tag früher ins Fränkische, genaugenommen nach Nürnberg zum Armin. Ich war der einzige Teilnehmer dieser Fünfergruppe, der nicht aus Bayern kam. Früh am nächsten morgen sammelten wir den Ulf ein und fuhren Richtung Süden zum Stefan. Bis wir an der österreichischen Grenze ankamen, war unsere Fünfergruppe komplett. Wir genossen drei Tage Pässefahren in Südtirol bei bestem Wetter.
Beim Hinweg fuhren wir über das Timmelsjoch und den Jaufenpass.
Picknick im Grünen:
Kaum zuhause von der Tour, zog es mich auch gleich wieder raus in die weite Welt. Das Wetter war traumhaft. An einem Abend besuchte ich einen Freund, der eine alte Transalp fuhr. Wir quatschten über Dies und Das, bis das Thema Alpentour angesprochen wurde. Ich erzählte ihm, dass ich damit liebäugle, in den nächsten Tagen nochmal in die Alpen zu fahren, dieses Mal aber nach Südfrankreich. Seine Frau meinte auf einmal zu ihm:"Hey, Du hast doch noch Resturlaub übrig. Schau mal, ob Du den nehmen kannst wenn Du mitfahren willst." Ich war erstmal sprachlos. Ich hätte mit allem gerechnet, aber nicht, dass die Initiative von seiner Frau kommen würde.

Er war sofort Feuer und Flamme für die Idee, fragte bei nächster Gelegenheit seinen Chef, dieser gab grünes Licht, und gerade mal zwölf Tage nach der Rückkehr von der Domiforums-Alpentour saß ich erneut im Sattel auf dem Weg nach Frankreich, zusammen mit meinem Freund auf seiner Transalp.
Die Route dort runter hatte ich im Vorfeld geplant und sie las sich wie das "Best of Pässe". Ich hatte so ziemlich alles eingebaut, was irgendwie einzubauen ging, ohne zu viele Schleifen zu fahren. Zu dieser Tour hatte ich im gleichen Jahr auch einen ausführlichen
Reisebericht geschrieben. Fotos gibt es natürlich auch jede Menge dazu. (Tipp für den Einstieg: Etwa in der Mitte des Titelfotos gibt es einen Link, der den Bericht startet..

Auf Abwegen. Passabwärts auf der Südseite des Colle delle Finestre.
Witzigerweise sind uns bei der Auffahrt zum Colle delle Finestre zwei Typen auf Einzylinderenduros hinterhergefahren. Einer der beiden hatte sogar eine Domi. Als wir an einer Spitzkehre eine Pause einlegten, hielten die beiden auch an. Wir kamen ins Gespräch, und siehe da: Der Domifahrer war damals auch im Forum aktiv, wenn auch nur eher sporadisch.

Fernblick am Felsendenkmal beim Col de la Bonette. Am Tag zuvor hatten wir richtig mieses Wetter. Aber danach war es einfach nur noch traumhaft. Auf die Cime de la Bonette sind wir auch noch raufgeklettert.

Und noch einmal Schotter, der Col de Tende. Wir machten Pause im Fort Central.
Die Tour führte mich, nach 2002, ein zweites Mal an den Grand Canyon du Verdon. Während ich aber im Jahr zuvor auf der nördlichen Seite der Schlucht entlangfuhr, wählten wir dieses Mal die südliche Route.
Die Heimfahrt nutzte ich für einen Abstecher nach Bern in der Schweiz, wo nach wie vor einer meiner Freunde lebt. Für den Rückweg wählten wir ab Deutschland die A5. Allerdings waren die 220km bis nach Hause auf der Bahn gefühlt um Welten anstrengender, als die gemütliche Fahrt über den Schwarzwald. Da wir aber beide abends noch anderweitige Termine hatten, verzichteten wir auf den Umweg über den Schwarzwald. Die Hitze auf der Bahn war jedoch nicht zu verachten. Ich war ziemlich platt, als ich zuhause ankam.
Im unmittelbaren Anschluss an diese Tour begannen die Hundstage mit über 40°C Tagestemperaturen. Ich verbarrikadierte mich zuhause hinter verschlossenen Rollläden, um wenigstens einen Rest an kühler Luft im Haus behalten zu können, und kümmerte mich um meine berufliche Zukunft.
Der Rest des Jahres hatte in Sachen Motorrad nichts Besonderes mehr zu bieten. Die letzten vier Monate des Jahres zogen sich für mich gefühlt sehr in die Länge.
2004:
Irgendwann im Februar kackte die Plattform von Forumromanum kräftig ab. Das gesamte Domiforum war gelöscht. Angeblich konnte die Datensicherung auch nicht mehr gerettet werden, so dass vor uns ein leeres, jungfräuliches Forum stand. Schöner Mist auch! Es füllte sich jedoch täglich wieder mit neuen Inhalten. Und da bei (Motorrad-)Foren oft und immer wieder die gleichen Fragen gestellt und Themen angesprochen werden, vermisste nach einer Weile auch keiner mehr großartig das alte Zeug. Nichtsdestotrotz: Die Angelegenheit war mehr als ärgerlich.
Das neue Motorradjahr begann standesgemäß mit dem Endurotraining. Ich hatte, wie versprochen, aufgerüstet. Eine neue Motorradhose, deren Jungfernfahrt die zweite Alpentour im letzten Sommer war, und Cross-Stiefel. Ich muss gestehen, dass mir die Kleidung auch ein deutlich sichereres Gefühl vermittelte.
Mit dem Wetter hatten wir erneut Glück. Die Tage zuvor regnete es noch fleißig, aber pünktlich zum Trainingswochenende riss der Himmel auf und die Sonne kam durch. Nur die Crossstrecke war noch sehr schlammig. Ich war von vor zwei Jahren vorgewarnt und demontierte mein Schutzblech bereits zu Beginn des Trainings.
Das Training machte Spaß wie eh und je, und war ein guter Einstieg für die Motorradsaison.
Am ersten Juliwochenende fand dann wieder das Domitreffen statt. Dieses Mal hatten wir zum ersten Mal eine neue Location. Koni konnte eine Hütte direkt am Starnberger See klarmachen.
Zu dieser Zeit arbeitete ich mal wieder im Schwabenland und stieß daher auf ein Grüppchen Treffenneulinge, die ab Karlsruhe gemeinsam zum See fuhren. Dies waren Andreas (A-NRW), Karsten (unser "Teletubbie" aufgrund seiner bunten 90er Jahre Motorradkombi und Überraschungsgast des 2014er Domitreffens) und Jürgen aus Offenburg. In Reutlingen sammelten sie mich auf, und ich war somit Teil der Gruppe.
Wir kamen am See an, als es bereits dunkel war. Zum Glück war aber, abgesehen vom Ramazotti, noch etwas Abendverpflegung übrig, so dass auch wir nicht hungern mussten.

Das Wetter zeigte sich das ganze Wochenende über von seiner sonnigen Seite.
Ich traute mich sogar für eine Abkühlung in den See.

Auf diesem Treffen lernte ich den Gründer des Domiforums kennen, der Peha-Peter, wie er genannt wurde, aus Wien, der damals auch noch Forums-Admin war. Kurze Zeit später übernahm Koni diesen Job, weil Peter keine Zeit mehr dafür hatte. Arno war ein weiterer Treffen-Neuling, den ich 2004 kennenlernen durfte, und der nach wie vor im Forum aktiv ist. Zwischen uns beiden hat sich mittlerweile auch ein freundschaftliches Verhältnis gebildet.
Ein weiteres Highlight dieses Treffens war die Domi vom Patrick aus der Schweiz. Er baute sich in einem aufwändigen und teuren Umbau die Einarmschwinge der Honda VFR750 inklusive Felgen ein. Das Motorrad sah genial aus. Man sah aber auch, dass viel Geld reingesteckt wurde.
Wie die Heimfahrt verlief, kann man im Forum sogar noch
nachlesen.

Kurze Zusammenfassung: Eine Gruppe von 8 Leuten startete am Starnberger See in Richtung Westen und wurde stetig immer kleiner, da der ein oder andere in eine andere Richtung abbiegen musste. Peter K, auch damals ein Forumsneuling, aber im Forum und insbesondere auf den Domitreffen nach wie vor vertreten, "scoutete" uns durch das Donautal.
Speziell im Jahr 2004 verstärkte sich die "West-Fraktion" erheblich. Viele Neuzugänge im Forum kamen aus NRW. Die "Bayern-Fraktion" bekam einen geographischen Ausgleich, da die neuen Mitglieder aus NRW sich auch sehr aktiv am Forum beteiligten. Weitere neue Gesichter, die noch aktiv sind waren Arno,
Im August stand die zweite Domiforums-Alpentour an. Das Grüppchen bestand dieses Mal aus sieben Personen auf sechs Motorrädern, davon drei Wiederholungstäter aus dem vergangenen Jahr, meiner einer inklusive. Stefan war so frei und kümmerte sich um die Organisation. Er hatte die Möglichkeit, eine Berghütte im Süden Österreichs in der Nähe von Lienz klarzumachen. Für die Anfahrt nutzte ich mal wieder die Tatsache, dass mein Freundeskreis seit ein paar Jahren ziemlich verstreut war, und übernachtete in München. Von dort aus fuhr ich am darauffolgenden Tag über den Großglockner, und musste an der Mautstation erstmal kräftig schlucken. 17 Euro musste ich damals für ein Motorrad bezahlen. Uff! Naja, die Strecke ist sehr schön und in bestem Zustand. Ich sagte mir: Wenigstens einmal im Leben soll man sie gefahren sein.

Ich war, wenn ich mich noch richtig erinnere, der erste, der beim Stefan auf der Hütte ankam. Wir nutzten den frühen Abend noch für eine kleine Ausfahrt in die nähere Umgebung. Am Freitag trudelten die anderen nach und nach ein.
Einer unserer Mitfahrer, er war der Kumpel eines Domifahrers aus'm Forum ("Dito", seit langer Zeit nicht mehr im Forum aktiv) fuhr eine KTM Duke. Laut seinen Erzählungen bekam er mit etwa 20 Jahren eine Infektion, die eine halbseitige Lähmung als Folge hatte. Somit war er gehtechnisch etwas beeinträchtigt und hatte stets eine Krücke dabei. Im Nachhinein muss ich sagen, dass das etwas von Dr. House hatte.

Trotzdem konnte der Bursche richtig gut und flott Motorrad fahren, wenn er seine Warmfahrphase abgeschlossen hatte. Auf den ersten paar Kilometern krebste er ziemlich hinterher. Jedoch so nach 10 - 15 Kilometern überholte er einen nach dem anderen und preschte voraus. Ich hatte mal versucht dranzubleiben. Zwecklos! Schaffte ich nicht. Mal abgesehen davon, dass seine Duke gut und gerne 15 PS mehr als die Domi hatte, fuhr er auch Spitzkehren sehr gekonnt und fast im Drift. Ihn und Dito ließ ich ziehen. Hinter mir mühten sich Armin und Stefan mit ihren Vierzylinder-Hondas redlich einen ab, um einigermaßen Anschluss zu halten. Selbst Stefans Kumpel, der eine Transalp fuhr, war trotz Sozia nicht langsamer, als die 600er und 1000er CB.
Einmal hatten wir uns auf einer schmalen Bergstrecke ein bisschen verfahren und wussten nicht so recht wohin wir weiterfahren mussten. Als wir uns für eine Richtung entschieden hatten, entpuppte sich die Strecke als heftige Schotterpiste. Unsere Vierzylinderfahrer hatten ihre helle Freude damit.

Aber auch sie schafften es. Und die Straße führte uns tatsächlich dorthin wo wir hinwollten.
Alles in allem war auch diese Alpentour sehr schön. Mit dem Wetter hatten wir Glück. Wenn es irgendwo von weitem rumpelte, dann erwischte es regentechnisch eigentlich immer ein Nachbartal.
Auf der Rückfahrt hatte leider Stefan eine Panne mit seiner schönen CB 1000. Ich blieb noch eine Zeitlang bei ihm bis er seine Abholung per Hänger abgeklärt hatte. Danach fuhr ich weiter. Ich hatte immerhin eine Gesamtstrecke von 650 km zu absolvieren. Zu allem Unglück ging mir auf der Bahn dann auch noch der Sprit aus, weil ich wenige Wochen vorher den Tank meiner Domi gegen einen gleichwertigen in besserem Zustand ausgetauscht hatte. Nur dummerweise war bei diesem das Röhrchen mit dem Benzinfilter zu kurz, so dass die Reserve nur für 35km hielt. Glück im Unglück musste ich die Domi nur ca. einen Kilometer schieben bis zur nächsten Tanke. Irgendwann später bin ich der Sache mit dem Röhrchen auf die Schliche gekommen und habe es ausgetauscht. Seitdem passt die Reserve wieder.
Im September zog ich wieder zurück in meine Heimat, in eine WG nach Karlsruhe. Nachdem mich mein Professor bereits ein paar Jahre zuvor bequatscht hatte, noch den Master auf mein Diplom draufzusetzen, entschied ich mich zu diesem Schritt. Drei Semester sind ja keine Ewigkeit.
Auch im September stand dann noch ein spezielles Ereignis an: Der Kilometerzähler meiner Domi machte einmal die komplette Drehung. Er stand wieder auf Null. Ich hatte die 100.000km voll.
Natürlich "nur" auf dem Rahmen, der Tauschmotor hatte zu dem Zeitpunkt ca. 46.000km drauf und lief nach wie vor völlig problemlos.
Fast zeitgleich, gerade mal einen Tag später, hatte sich ein Mädel aus der Nähe von Köln angemeldet, die sich eine gebrauchte NX 250 gekauft hatte. Ihr Name war Anna. Zu diesem Zeitpunkt ahnte ich nicht im Geringsten, welchen Einfluss sie auf mein weiteres Leben haben würde.
Sie wollte sich und ihre kleine Domi für eine Wüstentour vorbereiten, die sie in den Semesterferien 2005 unternehmen wollte. Mich hat aber das, was sie vorhatte, von Anfang an beeindruckt. Ich verfolgte das Geschehen, ohne mich nennenswert aktiv an der Diskussion zu beteiligen, da ich damals auch noch nicht über Fernreise-, geschweige denn Wüstenerfahrung verfügte.
Im Oktober nahm ich an einer Ausfahrt in den Odenwald teil. Ich kannte nur den Vorausfahrenden und seine Freundin. Alle anderen Mitfahrer kannte ich nicht. Ich war jedoch mit meinen 29 Lenzen der jüngste. Die Tour entpuppte sich als "Alte-Herren-Kaffeefahrt", bei der wir alle paar Kilometer in einem Café landeten und auf weitere Mitfahrer warteten, die sich dort verabredet hatten. So richtig Fahrt nahm die Tour aber gefühlt nie auf. Ein von mir gestarteter Thread zum Thema "Wo sind die jungen Motorradfahrer?" brachte mich auf die Idee, eine Sternfahrt zwischen dem Südwesten und der NRW-Fraktion zu machen, da sich von dieser Gruppe einige zu Wort meldeten, darunter auch Anna. Treffpunkt wäre ungefähr in der Mitte gewesen, kombiniert mit einer kleinen Tour. Anna äußerte sich interessiert.
Zunächst kam aber erstmal der Winter, und im nächsten Frühjahr passierte diesbezüglich auch erst einmal nichts. Die Idee drohte, einzuschlafen.
2005 - die Domi verkuppelt mich:
Und dann war da noch das Jahr 2005, das einige Ereignisse in meinem Leben parat hielt, von denen ich nicht zu träumen gewagt hätte.
Los ging es eigentlich eher unspektakulär mit dem mittlerweile obligatorischen Endurotraining. Die Anfahrt unternahm ich, wie bislang jedes Mal, auf eigener Achse mit der gestrippten Domi und auf zuhause montierten Conti TKC 80. Das Wetter meinte es gut mit uns: sonnig, trocken und nicht zu heiß.
Samstags trieben wir uns auf der Crosspiste herum, und sonntags gab es, wie immer, die gemeinsame Ausfahrt über Feld-, Wald- und Wiesenwege. Dazwischen immer mal wieder eine kurze Etappe auf der Straße. Man merkte aber auch: Es tat sich was im Osten. Der Bau der Autobahn schritt voran, und die ungeteerten Feldwege wurden weniger. Ansonsten aber: Spaß wie immer.
Außerhalb meiner Motorradwelt taten sich neue Möglichkeiten auf. Mein Professor suchte noch zwei "Kandidaten" für den Doppel-Master. Hierfür waren zwei Auslandssemester in den USA nötig. Die Chance auf einen knapp einjährigen Aufenthalt in den Vereinigten Staaten tat sich auf. Ich bewarb mich für ein Stipendium.
An Pfingsten stand die traditionelle Fahrt an den Bodensee an. Die Anfahrt war, mal wieder, sehr verregnet. Immerhin besserte sich das Wetter, so dass wir sonntags eine schöne Tour durch den Begrenzer Wald machen konnten. und auf der Heimfahrt eine Schleife durchs Donautal einbauten.
Im Forum diskutierte die NRW-Fraktion einen Termin für eine gemeinsame Ausfahrt. Ich versuchte erneut meinen Vorschlag bezüglich Sternfahrt einzubringen, jedoch ohne nennenswerten Erfolg.
Dann kam Fronleichnam. Es war herrlichstes Wetter. Bei mir zuhause beförderte die WG im Erdgeschoss ihren Grill nach draußen und wir feierten ein House-Grill-Event im Vorgarten. Die fast in Vergessenheit geratene Sternfahrt stand noch aus. Anna und ich verabredeten uns kurzfristig für eine gemeinsame Tour. Unser gemeinsamer Treffpunkt war eine Tankstelle in Bingen am Rhein. Mir ging es primär darum, neue Bekanntschaften zum Motorradfahren zu schließen, da ich im Forum den äußersten Westen Baden-Württembergs nach wie vor ziemlich alleine repräsentierte. Außerdem hatte ich meine USA-Bewerbung im Hinterkopf und nicht so richtig Ambitionen auf was... na, Sie wissen schon!
Meine Domi lief seit dem Endurotraining ein bisschen unrund. Offensichtlich hatte sich ein Staubkorn irgendwo im Vergaser verfangen, so dass sie mir im Stand bzw. beim Anhalten vor einer Abzweigung oder Ampel fast immer ausging wenn ich nicht aufpasste. Ich hoffte darauf, dass sich das Problem von alleine durch's Fahren beseitigte. Außerdem waren meine Contis mittlerweile für den Geländeeinsatz etwas abgefahren, so dass ich mich dazu entschloss, auch die restlichen Millimeter auf der Straße runterzufahren.
Das Wetter war grandios, ja fast schon zu heiß. Ich nutzte die Anfahrt für eine kleine Extraschleife über das Johanniskreuz und schaffte es tatsächlich auf die Minute pünktlich an unserem verabredeten Treffpunkt zu erscheinen. Anna war seit ein paar Minuten bereits da. Sie begrüßte mich mit einem schüchternen, etwas zurückhaltenden "Hallo". Das weitere Gespräch drehte sich zunächst um die Route unserer Tour. Wir setzten über auf die andere Rheinseite per Fähre.
Wir fuhren so ca. 90 km durch den Taunus, überwiegend im Wald, denn dort war es auszuhalten. Katzenellnbogen war stets ausgeschildert. Ich beölte mich unter'm Helm beinahe wegen dieses lustigen Ortsnamens.

Nachmittags machten wir Pause in einem Wildpark nahe Bad Ems im Westerwald.
Die Sonne brannte uns auf die Matten. Wir verkrochen uns im Schatten und versumpften sprichwörtlich beim miteinander Quatschen über diverse Themen (u.a. Studium, Motorradreisen, Knickschweine, USA und alte Autos). Erst so gegen 18:30 Uhr stellten wir fest, dass wir uns mal wieder auf die Socken machen sollten. Wir beide hatten noch ein gutes Stück Strecke vor uns. Somit fuhren wir noch gemeinsam bis zur Autobahn. Dort trennten sich unsere Wege wieder. Anna fuhr in Richtung Köln und ich in die entgegengesetzte Richtung in die badische Heimat.
Gleich am Tag später fuhr ich mit meinem Youngtimer zu meinem Kumpel nach München. Gleichzeitig war Anna mit der NRW-Fraktion in der Eifel unterwegs. Wir hatten beide ein sehr ausgefülltes und ereignisreiches Wochenende hinter uns.
Mittlerweile hatte ich auch eine Zusage bez. meiner Bewerbung zum USA-Aufenthalt bekommen. Wow! USA. Dass ich gleich für fast ein Jahr rüber durfte, hätte ich mir nicht zu träumen gewagt. Zusätzlich zu meinen anstehenden Klausuren mussten diverse Vorbereitungen getroffen werden. Auch Anna hatte Klausurstress, so dass an eine Wiederholung unserer Sternfahrt zunächst nicht zu denken war. Wir waren zwar regelmäßig per Email in Kontakt, aber bis zu unserem nächsten Treffen sollten drei Monate vergehen.
Bemerkung am Rande: Erst jetzt im Zuge der Recherchen zu diesen Erzählungen habe ich festgestellt, dass das erste Treffen zwischen Anna und mir auf den Tag genau vier Jahre nach dem Motorexitus an meiner Domi stattgefunden hatte. Zufälle gibt's...!
Zwei Wochen später stand das Domitreffen ganz dick in meinem Kalender. Trotz stressiger Klausurlernzeit hatte ich mir dieses Wochenende frei genommen. Der Termin stand schließlich bereits frühzeitig fest. Dieses Jahr ging es in die Fränkische Schweiz. Armin war Organisator, und das hatte er sehr gut hinbekommen. Ein paar Unerschrockene meldeten sich für's Schlafen im Heu. Alle anderen zelteten. Ich war bei den Heuschläfern dabei. Ohrenstöpsel gehörten jedoch zur Grundausstattung. Ohne diese wären die Nächste sehr beschwerlich geworden.

Für die Anfahrt traf ich mich mit der Offenburger Fraktion in Karlsruhe. Von dort aus fuhren wir gemeinsam zum Treffen. Jürgen war wieder mit dabei, Ell und Hubi waren neu. Hubi war leider nur ein einziges Mal beim Treffen dabei. Seine Domi war ein weiterer sehr schön gemachter Einarmschwingen-Umbau. Die inneren Werte versprachen Schmiedekolben und ca. 60 PS. Da Hubi unbedingt mal eine originale Domi fahren wollte, und ich heiß darauf war, seine zu fahren, tauschten wir für die komplette Rückfahrt die Motorräder. Ich hatte meinen Spaß.

Ist schon etwas besonderes, wenn eine Domi so mir nichts, Dir nichts auf Tempo 180 beschleunigt.
Eine Anekdote fällt mir noch ein, die sich während der Anfahrt zugetragen hatte:
Ich fuhr voraus. Nachdem ich lernen musste, dass meine Mitfahrer einen zügigen Fahrstil bevorzugen, hatte ich mich dahingehend angepasst. Irgendwo im bayerischen Nirgendwo fuhren wir über eine Landstraße, die sich in gepflegtem Zickzack über die Felder windete. Ich fuhr die Kurven zügig, aber ohne gefühlt übertriebenes Risiko einzugehen. Bei der nächsten Pause meinte einer meiner Mitfahrer: "Du, ich glaube Dein Bremslicht ist kaputt. Das hat auf dieser kurvigen Strecke nicht funktioniert." Knappe Antwort meinerseits: "Kein Wunder, dass es nicht geleuchtet hat. Ich habe nicht gebremst." Mit dieser Aussage dürfte ich bei meinen Mitfahrern endgültig akzeptiert gewesen sein.
Auch auf diesem Treffen lernte ich neue Gesichter kennen, die sich auch nach wie vor im Forum tummeln: Dobinator, Peter K, unser Chuck-Norris-Nüsse-Erfinder Mike,...
Mittlerweile war es Ende Juli. Die Klausuren waren vorüber und in mir machte sich große Erleichterung breit. Zwischen den auf vollen Touren laufenden Vorbereitungen für meinen USA-Aufenthalt fand die dritte Domiforum-Alpentour statt. Karsten R. hatte eingeladen zu sich in seine Ferienwohnung im Wallis. Er lud den Damjan, einen slowenischen Domifahrer mit ein, was ihn dazu veranlasste, ihn in Slowenien abzuholen und dann komplett einmal quer durch die Alpen zu fahren. Ich nutzte die Gelegenheit und stattete meinem Freund aus Bern einen Besuch ab. Ich übernachtete bei ihm. Dadurch, dass ich die Anfahrt auf zwei Tage verteilte, konnte ich auf eine Fahrt auf der Autobahn komplett verzichten und klapperte so ziemlich jedes schöne Stück Landstraße zwischen Karlsruhe und Bern ab. Am Folgetag ging es über das Emmental runter Richtung Wallis. Ich machte in Gletsch, wo sich Furka-, Grimselpass und die Straße ins Wallis treffen, eine Pause. Just als ich da so sitze und den Ausblick auf den so dahinschmelzenden Rhone-Gletscher genieße, nähern sich plötzlich eine Domi, eine Transalp, eine Africa Twin und eine BMW F650. Die vier kamen mir sehr bekannt vor.

Es waren Arno, Stefan, sein Kumpel René (den ich vom zweiten Domitreffen noch kannte) und Armin auf seiner neuen BMW, nachdem er mit seiner CBF 600 nicht sonderlich glücklich wurde. Die restliche Strecke durch das Wallis zu Karstens Hütte fuhren wir gemeinsam. Dort angekommen wurden wir bereits freudig von Karsten und Damjan erwartet.
Die folgenden drei Tage klapperten wir die Seitentäler des Wallis ab und machten einmal auch einen Abstecher Richtung Chamonix nach Frankreich rüber.

Fotosession von Armin und mir. Wir fotografierten uns gegenseitig beim Durchfahren einer Kehre.

Ur-Domi Foto-Session zwischen meiner und Damjans Domi.
Damjan hatte sich für seine Domi selber eine Doppelrohr-Anlage hergestellt. Diese hatte einen traumhaften, bassigen Klang, den ich so kein zweites Mal gehört hatte. Außerdem hatte er den Autodeko entfernt und den Motor so gut eingestellt, dass er bei weniger als 1000 Umdrehungen/Minute im Stand ruhig vor sich hin tuckerte, ohne auszugehen. Ein Klangerlebnis ohne gleichen.
Am 29. August sollte ich dann tatsächlich für ca. 10 Monate den Atlantik überqueren. Wenige Tage davor verabredete ich mich ein zweites mal mit Anna. Ich fuhr zu ihr. Wir wollten eine Tour in die Eifel machen. Der Wettergott (und vermutlich so manch anderer Gott ebenfalls) hatte jedoch anderes vor mit uns. Es pisste nämlich bereits auf meiner Anfahrt in die Kölner Bucht, so dass ich ziemlich durchnässt bei ihr ankam und irgendwie so gar keine Lust mehr verspürte, an dem Tag noch weiter im Sattel zu sitzen. Ich hatte ein Fotoalbum von einer meiner vergangenen Alpentouren dabei und wollte ihr ein paar Eindrücke vom Fahren in den Alpen vermitteln. Gegen später, das Wetter hatte sich wieder etwas beruhigt, fuhren wir mit der Straßenbahn in die Stadt. Was im Laufe des Abends dann noch so passierte, könnt Ihr Euch sicher denken. Ich wusste nun, welcher Gott den Regengott bestochen hatte. Mich hatte es voll ins Herz erwischt. Anna offensichtlich auch.
Am nächsten Tag fuhr ich über die Eifel wieder nach Hause. Der Nebel dort hatte eine seltsame rosige Farbe. Ach, was erzähle ich da? Aber zumindest hatte ich jede Menge Schmetterlinge als blinde Passagiere im Bauch. Ob aus der Sache dauerhaft etwas werden würde, wussten wir natürlich noch nicht, aber wir blieben weiterhin und sehr regelmäßig per Email und Telefon (Skype sei Dank) in Kontakt.
Zwei Tage später meldete ich zum ersten Mal überhaupt die Domi vorübergehend ab. Zwei weitere Tage später saß ich im Flieger in die USA. Die Zeit in den Staaten war insgesamt sehr außergewöhnlich. Diese allein könnte ein ganzes Buch füllen.
Mit der Domi passierte erstmal nichts mehr. Eine meiner längsten motorradabstinenten Zeit begann. Ich sollte erst wieder im März 2006 auf einem Motorrad sitzen.
2006 - alles wird gut:
Den Jahreswechsel 2005 auf 2006 verbrachte ich zusammen mit Anna. Sie besuchte mich in den Staaten. Statt Motorrad fuhren wir im Norden Michigans Snowmobil. Was war das für ein Spaß.

Die Zeit mit ihr zusammen war superschön. Wir ließen die Sache zwischen uns ohne Druck weiterlaufen, auch wenn wir uns erst wieder etwas über fünf Monate später sehen sollten. Der Kontakt per Skype war zumindest sehr intensiv.

Ich hatte mir in den Kopf gesetzt, wenn ich schonnmal in den USA bin, einen Road Trip durch die westlichen Bundesstaaten zu machen. Wenn möglich, auf dem Motorrad. Mein Stipendium ließ mir finanziell ein bisschen Spielraum. Für den Rest haute ich meine übrig gebliebenen Ersparnisse auf den Kopf. Es war mir völlig egal. Das war DIE Chance, die ich einfach nutzen musste, eine solche Tour zu machen. Mein Zeitfenster für sie belief sich auf fünf bis sechs Wochen ab Anfang Mai. Leider hatte zu diesem Zeitpunkt keine meiner Motorradbekanntschaften Zeit bzw. die finanziellen Mittel für eine solche Tour. Also plante ich, alleine loszufahren.
Im Februar fing ich an, nach einem bezahlbaren Motorrad zu suchen. Mieten kam nicht in Frage, da es zu teuer für eine mehrwöchige Tour geworden wäre. Alternativ hätte ich auch die Domi rüberschippern lassen können. Aber letzten Endes mit ich mit dem Kauf eines gebrauchten Motorrads mit anschließendem Verkauf nach der Tour am günstigsten weggekommen. Da die Amerikaner ein anderes Verständnis vom Motorradfahren haben, hatte ich nur die Auswahl zwischen schwerem Eisenhaufen à la Harley, einem Supersportler oder einer leichten Hardenduro. Das breite, und in Europa sehr beliebte Spektrum der Reise-Enduros und auch der großvolumigen Einzylindermotorräder gibt es in den Staaten fast nicht. Es sollte eine sehr gepflegte, ca. 10 Jahre alte Suzuki VS1400 Intruder werden, die ich für einen guten Tarif bekommen habe. Mit diesem Cruiser fuhr ich in fünf Wochen ca. 13.000km von Michigan nach Kalifornien, Washington, Wyoming und wieder zurück.
Ich möchte auf diese Tour hier nicht näher eingehen. Wer neugierig ist, kann sich meine drei Videoclips von jeweils ca. 4 - 5 Minuten Länge auf Youtube anschauen, die die Tour im Großen und Ganzen zusammenfassen:
1. Teil:
2. Teil:
3. Teil:
Ende Juni, rechtzeitig zum Beginn des Achtelfinales der Fußball WM im eigenen Land kam ich wieder zurück nach Deutschland. Auf dem Flughafen kam ich mir zwischen den vielen verschiedenen fußballbegeisterten Nationen vor, wie ein Tourist im eigenen Land. Es war für Deutschland eine großartige Zeit. Das spürte man. Kaum zuhause meldete ich die Domi wieder an. Bei meiner ersten Fahrt wurde mir erst so richtig bewusst, welchen Dampf die Suzuki Intruder hatte. Mir kam die Domi im ersten Moment etwas schlapp vor.

Aber eigentlich war das völlig egal. Ich freute mich unbeschreiblich darauf, Anna endlich wiederzusehen. Ich fuhr daher standesgemäß mit der Domi zu ihr.
In der Folgezeit entwickelte sich unsere Beziehung prächtig. Auf dem 6. Domitreffen, das Ende Juli im Schwarzwald stattfand und für mich fast "Heimspiel" bedeutete, outeten wir uns als erstes Forums-Pärchen.
Den Freitag vor dem Treffen verbrachten wir im Europa Park Rust. Von Rust fuhren wir am späten Nachmittag direkt zum Treffen.
Auch an diesem Treffen hatten wir Sonne satt. Wir waren ca. 25 Teilnehmer.
Auf diesem Treffen lernte ich eine Heike kennen, die unbedingt die Welt retten wollte, und ihren Mattes. Ich glaube, sie will sie immer noch retten, zumindest ist sie seitdem aktiv im Forum dabei.
Fast direkt im Anschluss an das Domitreffen machten Anna und ich unseren ersten gemeinsamen Urlaub. Für einen Wüstentrip war ich zwar nicht vorbereitet, und noch dazu wollte ich eine solch sandhaltige und klimatisch extreme Tour meiner luftgekühlten Domi nicht zumuten, aber wir erfüllten uns einen anderen Wunsch. Wir beide wollten unbedingt mal in die Pyrenäen fahren. Anna hatte sich mittlerweile von ihren Plänen bezüglich einer Mittelmeerumrundung verabschiedet, da sich ihre freie Zeit doch nicht ganz so unkompliziert hat einteilen lassen. Für drei Wochen Pyrenäen und Iberische Halbinsel hatte es aber immerhin gereicht. Das bislang erste und einzige Mal nahmen wir die Motorräder huckepack auf den Hänger und fuhren unsere Stationen mit dem Auto an.
Das erste Mal übernachteten wir im südlichen Elsass.

Unser Gespann mit den Domis drauf. (Das war auch gleichzeitig die letzte große Tour des in Ehren ergrauten 5ers, bevor ihn mein Vater verkaufte.)
Danach fuhren wir in die Pyrenäen und drehten dort ein paar tage unsere Runden über diverse Pässe.
Weiter ging es über San Sebastian Richtung Westen in den Nationalpark "Los Picos de Europa".

Mittagspause im Nationalpark Los Picos de Europa
Wieder ein paar Tage später fuhren wir ganz in den Westen, nach Galizien. Wir machten eine Tour zum Cabo de Fisterra, der westlichste Punkt Europas. Früher glaubten die Menschen, dass dort die Welt aufhört.

Cabo de Fisterra - sprichwörtlich am Ende der Welt
Danach ging es wieder zurück durch das spanische Landesinnere. In der Nähe von Soria machten wir erneut Halt und schauten uns die Festung "Fortaleza Califal de Gormaz" an.

Das Domi-Duo.
Der nächste Stop war Barcelona. Wir schauten uns ein bisschen die Stadt an, u.a. das Aquàrium und die Basilika.
Auf der Rückfahrt fuhren wir nochmals in die Pyrenäen rein und machten einen Abstecher nach Andorra. Die Anfahrt dorthin war erwartungsgemäß sehr verstaut. Auch sonst hat uns Andorra nicht vom Hocker gerissen. Wenn, dann müsste man sich die Zeit nehmen, und die kleinen Seitenstraßen dieses winzigen Kleinstaats erkunden. Die hatten wir mittlerweile jedoch nicht mehr, so dass wir uns am nächsten Tag weiter auf die Rückreise machten. Auf dem Weg lag Carcasonne, das wir gerne noch mitnahmen. Wir verbrachten einen Tag dort, nicht ohne dort standesgemäß französisch zu speisen. Kann ich übrigens sehr empfehlen. Obwohl Carcasonne ein Touristenmagnet ist, sind die Menüpreise moderat. Das hatte mir sogar eine Französin bestätigt, die neben mir stand und die Speisekarte studierte. Ihr Kommentar: "C'est ne pas cher." (Das ist nicht teuer.)
Nach dem Aufenthalt in Carcasonne wollten wir eigentlich den nächsten Campingplatz ansteuern. Jedoch hatten wir uns so daran gewöhnt, dass die spanischen Campingplätze bis weit in die Abendstunden noch offen sind, so dass man auch abends um 23:00 Uhr noch einen Platz bekam. In Frankreich machten die Campingplätze pünktlich um acht oder neun Uhr die Tore zu. Somit hieß es für uns: Draußen bleiben. Wir waren aber beide an dem Abend noch nicht wirklich müde, so dass wir uns entschlossen hatten, weiterzufahren. Gegen Mittag am darauffolgenden Tag kamen wir wieder bei mir zuhause an.
In der Folgezeit unternahmen wir immer mal wieder gemeinsame Touren, wenn es das Wetter zuließ. Da wir damals 280 km voneinander entfernt wohnten, musste die Wetterprognose jedoch recht zuverlässig sein, so dass es sich für den einen lohnte, die Strecke freitags zum anderen zu fahren und sonntags wieder zurück.
Die Domi hatte im Spätjahr 2006 etwa 110.000 km drauf. Ich spürte immer mehr, dass das Fahrwerk eine dringende Überholung nötig hatte. Per ebay ersteigerte ich ein gut erhaltenes WP-Federbein mit einer Laufleistung von damals ca. 20.000km. Das originale Federbein meiner Ur-Domi war zwar außer in der Federvorspannung auch in der Zugstufe verstellbar, allerdings war dieses bereits maximal vorgespannt. Wahrscheinlich hat es deshalb über 100.000km geschafft, ohne schon vorher total schlapp gewesen zu sein. Das WP-Federbein war eine echte Offenbarung. Auch ohne Vorspannung war das Fahrwerk schön straff, ohne hart zu sein. Das war das erste Mal, dass ich an meiner Domi das Federbein ausbaute, und das erste Mal, dass ich darüber ziemlich fluchte. An einer RD02 ist der Ausbau des Federbeins der reinste Act. Aber wie so oft, Übung macht den Meister.
--- Ende Teil 3 ---