Unsortiertes Allerlei
Ich mal wieder,
Ich wohne jetzt seit 2 Wochen in meinem Haus und die ärgsten Reparaturen sind ausgeführt. Seit Donnerstag habe ich auch Internet.
Spanier bauen Häuser anders als ich es kenne. Vor allem in den 70er Jahren. Alles ist anders und oft eher fragwürdig.
Ich bin es zum Beispiel gewohnt, dass Kacheln auf Putz und flächig verklebt werden. Hier wurde in der Mitte der Kacheln ein Klecks Mörtel aufgebracht und das ganze dann auf die rohe Mauer gepappt. Kacheln Bohren geht also nur in der Mitte, da die Ecken und Ränder nicht unterstützt sind. Na ja, kommt sowieso alles irgendwann runter. Entweder durch mich oder von selbst. Ist nämlich auch zu viel Sand im Mörtel, wodurch dieser sich langsam auflöst und die Kacheln von der Mauer fallen.
Aber ach, ich habe es gemütlich, alles funktioniert so weit und meine Mopeds stehen in der Garage, wo das meiste Werkzeug auch schon ausgepackt ist. Na ja, da die Böden genauso verlegt sind wie die Wände, muss ich die meisten Türen noch abhobeln, damit sie besser (oder überhaupt) schließen.
Oliven
Vor zwei Wochen hatte ich meinen ersten, professionellen Ausflug in die Welt der Olive. Wie ihr wisst, lebe ich im größten Olivenanbaugebiet der Welt und darum ist hier alles Olive.
Ein Unternehmen für Olivenkernpyrolyse suchte einen Dolmetscher für Deutsch, und wie wir dachten Englisch, um für deutsche Kunden zu übersetzen. Leider sprach der Unternehmer nur Spanisch und da wurde es spannend. Mein Spanisch reicht bis jetzt fürs alltägliche, aber Produktionsprozesse im Olivenbereich sind doch etwas anderes. Mit Händen und Füßen hat es dann doch, zur Zufriedenheit unseres Kunden, gereicht.
Nach dem Pressen der Oliven für Öl bleiben die Kerne und der Trester übrig. Der Trester wird entweder verfüttert oder dient als Grundlage für Bioethanol. Die Kerne werden getrocknet und gemahlen, um als Brennstoff zu dienen. Das Unternehmen, bei dem ich war, schüttet die Kerne in einen Drehrohrofen und erhitzt sie unter Luftabschluss auf 400 Grad. Dadurch verkohlen die Kerne. Die so entstandene ‚Holzkohle‘ kann dann als Aktivkohle benutzt oder zu Grillbriketts gepresst werden.
Sehr interessant das alles, vor allem weil der Olivenkern nachhaltig ist und bei dessen Verbrennung weniger CO₂ freikommt, als der Baum bei seiner Produktion aufnimmt. Weil das Zeug auch noch preiswerter ist als Holz oder Pellets und die Öfen dafür auch nicht viel kosten, wird der Olivenkern ab nächstem Winter auch mein Haus heizen.
Nach dem Firmenbesuch waren wir dann im wunderschönen Baeza essen. Die Kathedrale hat eine Renaissance Rosette über einer arabischen Tür.
Baeza liegt auf einem Hügel und ist maurischen Ursprungs. Es ist kleiner als Ubeda, aber meiner Meinung nach schöner. Da es schon etwas später war, als wir dort ankamen und ich auch noch arbeitete, müsst ihr euch vorläufig mit zwei Ansichten der Hotellobby begnügen. Wenn ich Zeit, und die Domi gewartet habe, werde ich noch mal hinfahren.
So wie die lobby sieht die ganze Stadt aus.
Auf jeden Fall war es um 18:30 natürlich noch viel zu früh fürs Abendessen und darum gingen wir erst mal in eine Bar zum Tappasessen. Da gab es dann frisches Brot, Pata Negra Schinken, Manchego Käse, Oliven, Kapernäpfel und Öl, da bei denen die Küche auch noch zu war. Es war allerdings auch eine ‚gehobene‘ Bar.
Öl
Da geht es ja eigentlich drum. Inzwischen habe ich gelernt, dass Öl nicht gleich Öl ist. Extra virgin, virgin und lampante ist klar. Extra virgin ist Öl, das durch rein mechanische Pressung und ohne Erwärmung gewonnen wird, virgin ist es, wenn Dampf und andere Substanzen zugesetzt werden, um das Öl zu gewinnen und lampante ist reines Industrieöl, welches nicht für den Verzehr geeignet ist.
Allerdings gibt es beim extra virginen Öl auch wieder Unterschiede. Öl kann aus einem Anbaugebiet kommen, von einer Sorte sein, früh oder spät gepresst oder jung und ungefiltert oder alles zusammen.
Die besten Öle zum Kochen sind extra virgine aus einem Gebiet und von einer Sorte. Normales, extra virgines, Öl aus dem Supermarkt kostet ab 15 Euro für 5 Liter. Das Cazorla, welches ich fürs Dachdecken bekommen habe, ist eine gute regionale Coupage (Mischung verschiedener Sorten) aus Mazanilla und Hijoblanca Oliven, das kurz nach der Ernte gepresst wurde und früh gefüllt. Sehr frisches Öl also. 5 Liter davon kosten so um die 25 Euro.
Ein reinsortiges, regionales Öl wie z. B. hijoblanca kostet ab 6 Euro pro Liter.
Das Öl für meine Salate oder für aufs Brot ist lokal, also von einem Anbauer, von Picual Oliven, die unreif geerntet und gepresst wurden und ungefiltert. Es ist ein trübes, grünes Öl mit einem sehr milden, fruchtigen Geschmack. So etwas kostet dann ab 20 Euro pro Liter. Picual ist dann noch eine recht verbreitete Sorte, aber es gibt auch Öle, wo ein Bauer ein paar Hektar alte Oliven stehen hat, die ein ganz besonders feines Öl geben, aber halt nur ein paar hundert Liter im Jahr. Solche Öle kosten dann auch über 100 euro pro Liter.
Zum Schluss noch die Kaufberatung.
Ich würde euch empfehlen, nur spanische Öle zu kaufen. Nicht weil sie besser sind, (allerdings kommen die besten Öle der Welt regelmäßig von hier). Auch nicht wegen Immigrantenchaivinismus, sondern weil ihr dann zumindest ziemlich sicher wisst, was ihr bekommt. Italienisches Öl, z. B. besteht häufig zu großen Teilen aus spanischem Öl, von oft, fragwürdiger Qualität. Griechisches Öl ist nicht viel besser. Beide Länder produzieren weniger Öl als sie exportieren und mischen ihres darum mit spanischem oder nordafrikanischem.
Extra virgines Öl von Carbonel z. B. sollte auch bei euch nicht die Welt kosten und ist eine sichere Wahl für ein gutes Öl.
Mehr dazu gibt es hier.
Bleibt noch zu schreiben, dass ich mich gut einlebe und sehr zufrieden bin. Das Wetter ist (zu) trocken und sonnig. Hier fängt so langsam der Frühling an und die Temperaturen liegen tagsüber zwischen 14 und 19 Grad. Der Regenmangel bereitet den Menschen hier langsam echte Sorgen. Diesen Winter ist, wieder, nur ein Bruchteil dessen gefallen, was eigentlich fallen sollte. Für den Sommer erwarten große Teile Andalusiens Wassermangel mit Gebrauchsbeschränkung. Dann ist nichts mehr mit Pool füllen oder Garten wässern. Nächste Woche hoffe ich auch endlich Zeit zu finden mich den Mopeds zu widmen. Die TDM braucht neues Öl und einen neuen Blinker und die Domi neue Züge. Dann werde ich auch die Strecke über La Fernandina nach Baeza mal ausprobieren.
Das war es mal wieder. Bis die Tage.