2017 - Der Zahn der Zeit
2017 stand im Zeichen des Endurofahrens. Ich nahm das erste Mal überhaupt an drei Enduroveranstaltungen in einem Jahr teil. Aber leider musste ich auch festsellen, dass die Domi so allmählich gebrechlich wurde. Aber nicht nur die Domi. Doch dazu später mehr.
Ich begann die Saison Mitte Februar mit einer kleinen Runde über meine Hausstrecken. Bevor ich jedoch den Kaltstart an der Domi übte, kam mir die Idee, dass es vielleicht für andere interessant sein könnte, wie die Domi nach längerer Standzeit zu starten geht. Immerhin stand sie fast 4,5 Monate in der trockenen, aber kalten Garage. Ich war selbst gespannt darauf, wie viel Zeit ich dafür benötigte, bis sie lief:
Es war sonnig, aber frisch. Die Domi lief soweit ganz gut. Dass sie ab und zu beim Abtouren ausging, daran hatte ich mich in all den Jahren daran gewöhnt. So richtig abgewöhnen konnte ich es ihr nie. Je nach Wetterlage, oder Uhrzeit... vielleicht war auch der Mond daran schuld... lief sie im Standgas besser oder schlechter.
Am 25. März war das neue Forum fertig. Wir zogen fast geschlossen um, weg von Forumromanum hierher in dieses Forum. Hier muss ich nochmals meinen allergrößten Dank an alle ausdrücken, dass Ihr den Umzug mitgegangen seid. Ohne diesen Rückhalt hätte dieses Unterfangen nicht funktioniert. Der größte Wermutstropfen war natürlich, dass man bei null wieder anfängt. Alle Themen zur Domi, die in den langen Jahren behandelt und diskutiert worden sind, blieben im alten Forum zurück. Aber das neue füllte sich schnell mit wertvollen Inhalten. Und es ist wie in jedem Forum: Die Themen wiederholen sich irgendwann. Außerdem steht das alte Forum nach wie vor als "Nachschlagewerk" zur Verfügung.
Etwa zwei Wochen später, es war mittlerweile deutlich wärmer, war wieder Zeit für die traditionelle Frühlingsausfahrt Südwest. Unsere Tour führte erstmalig in den Odenwald. Und der Andrang war beachtlich. 11 Leute wollten insgesamt die Tour mitfahren. Darunter hatten wir zwei Überraschungsgäste. Der Ralf aus der Hohenlohe kam vorbei, um seinem Kumpel Dieter (Q-Rare) Gesellschaft zu leisten. Selbiger fuhr frühmorgens in Gladbeck(!) los, um rechtzeitig am Treffpunkt zu sein. Und aus Heppenheim reiste Maik an. Beide meldeten sich anschließend im Forum an. Ich denke das spricht für die angenehme Atmosphäre hier im Forum. Der Preis für die weiteste Anreise ging konkurrenzlos an Charly aus Österreich. Er wollte auch dabei sein und reiste nur für das Wochenende mal kurz vom Bodensee zu mir. Charly übernachtete in seinem kleinen Wohnmobil bei mir im Dorf. Morgens kamen Arno und Hogi vorbei und wir fuhren zu viert zum Treffpunkt. Tourstart war in Hirschhorn am Neckar im Café am Rathaus. Wir tranken uns schonmal warm.
Und wer schon einmal das Vergnügen hatte, mit Charly eine Runde zu drehen, der weiß, dass auf solchen Touren immer sehr interessante, teilweise auch sehr dynamische Fotos während der Fahrt herauskommen. Der Schnappschuss von meiner Domi und mir entstand innerorts kurz bevor wir rechts abgebogen sind.
Nach einer gemütlichen Mittagspause und einer gemeinsamen Runde von ca. 150 km standen wir in Eberbach am Neckar und verabschiedeten uns voneinander. Die Truppe trennte sich wieder und wir fuhren gefühlt in alle Himmelsrichtungen wieder nach Hause.
Einen kleinen Kurzbericht mit mehr Fotos von der
Frühlingsausfahrt Südwest 2017 hatte ich kurz nach meiner Rückkehr ins Forum gestellt.
Zwei Wochen später ging es das erste mal in den Dreck, und zwar in den französischen. Da wir das Jahr davor mächtig viel Spaß an der Endurotour durch die Vogesen hatten, meldete sich erneut ein Grüppchen aus dem Forum wieder an. Sven hatte letztes Jahr während unserer Schwarzwaldtour durch unsere Erzählungen Blut geleckt und wollte unbedingt auch mal dabei sein. Stefan (990er) war wieder mit von der Party, und Arno mit Ilona. Arno war derjenige, der uns 2013 auf diese Veranstaltung aufmerksam gemacht hatte. Günther kam auch mit. Dank ihm bekam ich einen Huckepack-Fahrservice. Und der war auch bitter nötig. Nicht weil meine Domi liegen geblieben wäre, sondern weil Stefan und ich diese Zusammenkunft nutzten, um die Domiteile inklusive Motor, die ich im letzten Herbst gekauft hatte, zu übergeben.
Stefan startete wieder auf seiner Rallye-Transalp und Ilona auf ihrer 400er Suzuki DR. Die restlichen vier hielten die Domi-Fahne hoch. Das war beachtlich. In der Vorstellungsrunde sind wir von den anderen immerhin mit dem nötigen Respekt beachtet worden, dass wir mit solch alten Motorrädern an der Tour teilnehmen wollten. Aber mit der Domi geht was. Das weiß nur nicht jeder. Der "Alterspräsident" war ein Mitfahrer Jahrgang 1948 auf einer BMW R1200GS Adventure(!). Donnerwetter. Mit diesem Dickschiff hätte nicht einmal ich mir die Tour zugetraut. Aber die GS war rundum mit Sturzbügel ausgestattet. Kaputtgehen konnte also nichts. Und das Moped lag mindestens fünfmal pro Tag am Boden. Aber der Fahrer hatte offenbar Routine im Abspringen. Er hatte sich nie weh getan. Und er schaffte die Tour komplett über beide Tage. Meinen Respekt hat er dafür.
Es gab allerdings wenige Tage davor einen Kälteeinbruch. Mit Schnee rechnete ich zwar nicht, aber mit Regen bei maximal 10°C. Es hätte ungemütlich werden können. Ich holte mir beim Stefan ein paar Tipps ab und klebte schonmal vorsorglich am Crosshelm die Lüftungsschlitze mit Panzertape zu. Denn luftig genug war der Helm sowieso schon. Aber einmal in Bewegung, war von den kühlen Temperaturen nichts mehr zu spüren.
Wir übernachteten wieder in dem gleichen Hotel wie das Jahr zuvor. Und zufälligerweise wurde Stefan und mir sogar das gleiche Zimmer zugewiesen, das wir im Jahr zuvor auch hatten. Den ersten Tag meisterten wir ohne Verluste an Mensch oder Material. Regen hatten wir auch so gut wie keinen. Von Samstag auf Sonntag regnete es in der Nacht etwas, aber nicht genug, um aus der Tour eine Schlammschlacht zu machen.
Am Sonntag morgen hatten wir ein etwas anspruchsvolleres Teilstück zu meistern. Der Weg war teilweise schlammig und mit Steinen, Baumwurzeln und sonstigem Gehölz gespickt. Jeder hatte mit dieser Passage zu kämpfen. Aber mit gegenseitiger Unterstützung schaften wir es alle. Ich kam richtig ins Schwitzen und entfernte nach erfolgreicher Meisterung dieses Teilstücks das Panzertape. Ich konnte die Frischluft gut gebrauchen.
Wohlbehalten kamen wir am Sonntag nachmittag wieder auf dem Trainingsgelände des Veranstalters an. Die Domi hatte sich wacker geschlagen. Einmal hatte ich die Befürchtung, dass sie nicht mehr anspringt. Aber nach ein paarmal Zündung aus und Zündung wieder an, sprang sie auch wieder an. Der Ölvorrat im Motor reichte aus für die Distanz, die man an so einem Wochenende zurücklegt.
Einen kleinen Bericht mit mehr Fotos hatte ich kurz nach der Tour im Forum geschrieben =>
Termin Endurotraining Vogesen 22-23.04.2017.
Wir fuhren zurück zu den Autos, die an der Pension standen, in der wir von Freitag auf Samstag übernachteten. Stefan wollte ja noch das ganze Zeug loswerden, was er für mich mitgebracht hatte. Und je leerer sein Van wurde, desto voller wurde Günthers M-Klasse. Letzten Endes passte alles rein. Aber das Auto war voll bis unter das Dach. An dieser Stelle nochmals einen ganz lieben Dank an Stefan, dass er mir die Teile abgeholt und gebracht hatte. Dem Günther danke ich nochmals für die Mitfahrgelegenheit. So musste ich nicht auf eigener Achse anreisen.
Zuhause angekommen war dann erstmal ausladen und ein paar Tage später eine Bestandsaufnahme angesagt. Die Basis wurde geschaffen für das Projekt Domi-Restaurierung.
Das Umbauen der Domi auf Straßenbetrieb konnte ich mir zunächst sparen. Denn nur zwei Wochen später stand das Domiforums-Endurotraiing beim Stefan Hessler auf dem Programm. Also reichte eine Reinigung des gröbsten Drecks. Alles andere konnte ich an der Domi so lassen wie es war. Da wir erfahren haben, dass Arno und Ilona auch am Training teilnehmen wollten, entschloss sich Anna, auch mitzukommen und wagte somit einen sanften Wiedereinstieg ins Motorrad (offroad) fahren.
Das Wetter war mal wieder superschön. Sonnig und angenehm warm, aber nicht zu heiß. Wir übten dieses Jahr, zunächst als Wiederholung, das Bremsen auf losem Untergrund.
Später wurde die Übung dahingehend erweitert, dass wir im kontrollierten Drift eine Kurve ansteuerten, um im richtigen Moment wieder Gas zu geben und aus der Kurve rauszubeschleunigen. Den Mädels war das verständlicherweise etwas zu viel des Guten. Die Routine musste nach der langen Pause erst wieder kommen. Daher machten sie erstmal Pause und schauten ihren Männern beim Üben und Scheitern zu.
Dafür machten sie aber auch richtig schöne Action-Fotos. Es gab selten ein Endurotraining, von dem ich so schöne Fotos mit nach Hause genommen habe.
Am Sonntag teilten wir uns in zwei Gruppen auf. Für Stefan, Arno und den Komikus-Berliner, der früher auch im Forum vertreten war, hatte Stefan (Hessler) eine Roadbooktour vorbereitet. Sie fuhren diese ab und übten das Fahren mit Roadbook. Anna machte auch Pause. Ihr reichte das Pensum am Samstag. Alle anderen fuhren mit Helmut, Freund und Helfer von Stefan, eine schöne Überlandtour über Feld-, Wald- und Wiesenwege. Diese Tour war auch als Roadbooktour für eine Veranstaltung ein paar Wochen später gedacht. Helmut wollte sie im Vorfeld abfahren, um nachzuprüfen, ob alles wie geplant befahrbar ist. An der ehemaligen innerdeutschen Grenze machten wir ein bisschen Sight Seeing an einem alten Grenzturm und kehrten ganz in der Nähe in einem Jagdschloss zu Mittag ein.
Auch dieses Endurotraining hatten alle Teilnehmer pannen- und beschwerdefrei beendet. Ich schließe mit den Worten meines bereits im Forum
dokumentierten Berichts (mit noch mehr Fotos) ab:
"Alles in allem war es mal wieder ein sehr spaßiges Wochenende. Das Wetter war auch einwandfrei. Wir bekamen keinen Tropfen Regen ab. Anna und ich mussten lediglich zuhause im Regen die Motorräder vom Anhänger abladen."
Die Tage danach wurde die Domi gründlich gereinigt und wieder auf den Betrieb auf der Straße umgebaut.
Im Juni fuhren Anna und ich das erste Mal seit fünf Jahren wieder eine kleine gemeinsame Runde. Ich wählte als Ziel das Café am Rathaus in Hirschhorn am Neckar aus. Genau an diesem hatten wir uns zwei Monate zuvor für die Frühlingsausfahrt Südwest getroffen. Ich wählte eine Route, die gemütlich über Nebenstraßen zu fahren war. Im Gegensatz zu Annas kleiner Domi, die auch nach langer Standzeit ohne Probleme läuft, machte meine Domi zwischendurch etwas Probleme mit der Zündung. Ich verspürte beim Fahren ein leichtes Ruckeln. Erst nach einer kurzen Pause, in der ich die Zündung aus und wieder anschaltete, wurde es besser. Sollte das Zündschloss so langsam den Geist aufgeben? Evtl. war es aber auch nur ein Kontaktproblem. Aber abgesehen von diesem kleinen Huster lief sie wie gewohnt.
Es war ein schönes Gefühl, wieder wie früher zusammen unterwegs gewesen zu sein.
Leider haben wir es seitdem aber nicht mehr geschafft, dies zu wiederholen. Vielleicht klappt es, wenn der Nachwuchs noch etwas größer geworden ist.
Mittlerweile haben wir Ende Juni. Unsere Höörbie hatte sich mächtig ins Zeug gelegt und das diesjährige Forumstreffen in Sonthofen organisiert. Sonthofen... Allgäu... Berge... das versprach traumhafte Straßen.
Auch zu diesem Treffen war bereits die Anfahrt etwas Besonderes. Die NRW-Fraktion machte in meinem Dörfchen Zwischenstation. Mit dabei waren Andreas_NRW, Sylvia, Rüdiger (jakobjogger) mit Simone und Alex (Dominator93). Dieter (Q-Rare) schloss sich der NRW-Truppe an, obwohl er für das Treffen keine Zeit hatte. Er fuhr bis in mein Heimatdorf mit. Von der Gegenrichtung kam sein Kumpel Ralf aus der Hohenlohe angereist. Zusammen wollten sie dann nach dem gemeinsamen Abendessen zurück in die Hohenlohe fahren. Aber erst einmal musste Ralf an seiner XL seinen Kupplungszug reparieren, der ihm kurz vor Ankunft an meiner Hütte kaputt gegangen war. Zum Glück habe ich ja für sowas immer Ersatz dabei. Ja, und auch die NRW-Fraktion blieb nicht frei von einer Havarie. Das Wohnzimmermöbel in Form von Rüdigers Harley kam von der Straße ab und er und Simone rutschten in den Straßengraben. Mit vereinten Kräften wurde die Harley aus dem Graben gezerrt und wieder flott gemacht. Den Sturz hatte sie ohne große Blessuren überstanden. Auch Rüdigers Sozia kam mit dem Schrecken davon. Nur Rüdigers Schulter schmerzte, aber er konnte weiterfahren.
Nach dem Abendessen unter freiem Himmel und lauem Lüftchen stießen dann noch Jörg (Domi-OS) mit seiner Tochter Isa dazu. Dieter und Ralf waren zu dem Zeitpunkt bereits wieder unterwegs.
Zum Frühstück am nächsten Morgen tummelten sich so viele Motorräder vor unserem Haus wie schon lange nicht mehr. Nickless kam morgens die A5 runtergedüst, rechtzeitig zum gemeinsamen Frühstück bei mir zuhause. Danach sattelten wir auf und machten uns auf den Weg nach Sonthofen. Wir nahmen nach Möglichkeit den direkten Weg über Bundes- und Landstraßen unter Auslassung größerer Ballungsgebiete. Beim Bootshaus in Bichishausen im Lautertal machten wir Mittagspause. Die Fahrt verlief reibungslos. Für meine Domi hatte ich eine extra Portion Öl dabei. Der Verbrauch näherte sich mittlerweile der Marke von einem Liter auf 1000 km. Bei einem Ölvorrat im Motor von zwei Liter war das schon eine kritische Marke. Aber ich hatte vor der Fahrt ordentlich aufgefüllt und wusste somit, dass ich damit eine Weile auskommen werde.
Das Treffen war wieder richtig schön. Für die Samstagsausfahrt hatten wir paradiesische Straßen zur Auswahl. Aber hier merkte ich deutlich, dass meine Domi nicht mehr gut im Futter stand. Die Passstraßen rauf lief sie zwar immer noch recht flott, aber der Motor produzierte starke Vibrationen. Auf der Passhöhe von ca. 1600 Meter ging sie mir beim Rangieren auf einem Parkplatz aus und sprang nur sehr widerwillig wieder an. Da wir aber erst einmal Pause machen wollten, ließ ich sie zunächst so stehen und spekulierte darauf, dass sie wieder etwas besser laufen würde wenn sie etwas abgekühlt ist. So war es dann auch. Das Standgas war wieder da und die Gasannahme klappte auch wieder. Wodurch auch immer diese sporadischen Aussetzer und Zickereien verursacht wurden... lag es am Vergaser? Oder doch der Motor? Oder beides zusammen? Ich wusste es nicht. Aber ich musste feststellen, dass die plötzlich aufkommenden und wieder verschwindenden Aussetzer sich häuften. Für den Rest des Tages lief die Domi gut.
Da Greeny mit seiner schönen blauen Ur-Domi erstmals auf einem Treffen erschien, und unser Neuling Alex mit einer gut aussehenden roten Ur-Domi dabei war, kam die Idee für eine Foto-Session der allerersten Domi-Generation auf. Also stellten wir die drei Mopeds zusammen und knipsten fleißig drauf los.
Und anschließend wurden die Grills angeworfen, das Bier gezückt, ordentlich totes Tier gegrillt und kulinarisch vernichtet. Dazu gab es Benzin.- und andere Gespräche verschiedenster Art.
Das warme Wetter und das schöne Gelände taten das Übrige für eine angenehme Stimmung bis spät in die Nacht hinein. An solchen Momenten könnte das Treffen ewig andauern. Da will man gar nicht an den morgigen Tag und an die Rückreise denken.
Und trotzdem, wir mussten wieder nach Hause, oder in den Urlaub. Am Sonntag war wieder Abreise vom Treffen. Nur ging leider am Morgen ein Regengebiet durch das Voralpenland. Und wir mitten drin. Der Regen prasselte ordentlich von oben runter. Ein Grund, etwas ausgiebiger zu frühstücken und erstmal abzuwarten wie sich die Lage an der Wetterfront entwickelt. Ein Teil meiner Gruppe, mit der ich freitags zum Treffen fuhr, verlängerte ihren Aufenthalt im Alpenraum. Somit blieben nur Rolf und Alex übrig, die mit mir zurückfahren wollten. Peter K bot sich als "Reiseführer" durch das Donautal an. Um aus dem Regenloch herauszukommen, stimmte auch die Richtung. Na dann, auf ins Donautal. Arno und Ilona schlossen sich uns an. Somit pellten wir uns in unsere Regenklamotten und fuhren am späten Vormittag los. Im Donautal verabschiedete sich Peter, und wir bogen ab in Richtung Bärental. Für uns war die Route so weit klar. Ich fuhr voraus. Ich hatte mich gerade an eine fremde Motorradgruppe rangesaugt, als ich auf einer schmalen und kurvigen, aber gut asphaltierten Landstraße feststellen musste, dass die anderen nicht mehr hinter mir waren. Ich verlangsamte das Tempo und schaute in den Kehren immer mal wieder nach hinten. Aber leider kam niemand. Ein schlechtes Zeichen. Ich drehte um. Ein paar Kurven die Straße rauf, befand sich am rechten Straßenrand eine Parkbucht, in der sie alle standen. Ich sah, dass Rolfs Domi etwas lädiert war. Au weia. Was war passiert? Laut den Schilderungen der Hinterherfahrenden kam er in einer Linkskurve von der Straße ab und überschlug sich. Da auch noch einiges an Dreck, Staub und Gras an Rolfs sonst immer penibel polierter Domi hing, sah der Schaden im ersten Moment schlimmer aus, als er tatsächlich war. Sie war noch fahrbereit. Und Rolf? Der stand erstmal unter Schock und war den Tränen nahe aufgrund des Schadens an seiner Domi. Sein verletzter Daumen machte sich erst später bemerkbar, als sein Adrenalinspiegel wieder gesunken war. Wir konnten die Fahrt immerhin fortsetzen. Als wir den Schwarzwald erreichten, klinkten sich Arno und Ilona aus der Gruppe raus. Sie fuhren weiter einmal quer durch in Richtung Westen, während wir Nord-Nordwest ansteuerten.
Bei mir zuhause angekommen gab es für Alex und Rolf noch eine kleine Stärkung. Ab hier fuhren beide auf der Autobahn weiter. Nach einem langen Fahrtag kamen auch sie gut zuhause an.
Die Havaristen Rüdiger und Rolf suchten, nachdem sie wieder zuhause waren, ärztlichen Rat auf. Rüdiger zog sich einen Schlüsselbeinbruch zu, der aber ohne Operation heilen konnte. Und Rolf hatte eine Knochenfraktur mit Bandabriss, die ihn sieben Wochen vom Motorradfahren abhielt.
Respekt an die beiden, dass sie es mit ihren lädierten Knochen auf eigener Achse noch nach Hause geschafft hatten.
Aber abgesehen von diesen beiden unschönen Ausrutscher war es ein sehr gelungenes Treffen-Wochenende.
Ende Juli war wieder Zeit zum Erdferkeln. Die ganze Familie fuhr zu den DR Summer Offroad Days. Da Arno und Ilona auch auf die DR Summer Offroad Days fuhren und ihre Jungs dabei hatten, entschlossen wir uns auch ein Familienevent daraus zu machen. Ich organisierte einen Motorradanhänger und packte beide Domis und Emilias Bobby Car auf den Anhänger.
Dieses Mal entschlossen wir uns aber, auf dem Gelände zu campen. Zusammen mit Stefan (990er), Arno, Ilona, Karin und Ralf (Koral) bauten wir unser "Lager" auf. Die Kids grillten ihr Stockbrot und ihre Marshmallows. Dazwischen gab es Verfolgungsjagden mit den Bobby-Cars oder Lesestunde bei Anna bzw. Ilona. Könnte es schöner sein?
Die Kerle, und auch ab und zu die Mädels, sattelten ihre Mopeds und drehten ihre Runden auf den Endurostrecken. Man konnte sich ja aussuchen wo man fahren wollte. Am einfachsten war die Offroad-Strecke im hinteren Teil des Geländes. Dann gab es noch die Crossstrecke mit ihren teils heftigen Steilauf- und -abfahrten, und die Endurostrecke, die sich am Rande des Enduroparks durch das Dickicht windete. Ich dachte mir: Fahr erstmal zum Warmfahren ein paar Runden auf der Offroad-Strecke. Danach gehts dann auf die Crossstrecke oder die Endurostrecke. Und während ich so meine Runden drehte, hebelte es mich plötzlich in einer Linkskurve aus und ich lag unter der Domi. Autsch! Das tat weh. Und zwar mehr als sonst wenn es mich im Gelände vom Moped beutelte. Mein linker Fuß steckte verdreht unter der Domi fest. Zum Glück standen nur wenige Meter von mir entfernt zwei Typen neben der Strecke, die sich dort offenbar unterhielten. Mir fielen die beiden schon die Runden zuvor auf. Es wäre Spekulation wenn ich behaupten würde, dass mich ihre Anwesenheit abgelenkt hat und ich deshalb gestürzt bin. Wie dem auch sei, die beiden waren sofort zur Stelle und halfen mir, die Domi aufzurichten. Ich stand wieder auf und prüfte, was mein Fuß abbekommen hatte. Auftreten konnte ich noch, und das kurzzeitige Verdrehen war auch nicht schlimm. Das hatte zwar an den Muskeln gezogen, aber die Knochen waren heile. Was mir aber richtig weh tat, war der Vorderfuß. Da musste ich entweder einen dicken Stein oder die Fußraste abbekommen haben. Die Domi hatte es weniger stark erwischt. Der linke Seitendeckel hatte einen Riss bekommen und die Verkleidung insgesamt ein paar Kratzer mehr, ansonsten aber nichts. Ich schwang mich auf die Domi, fuhr die Runde fertig und bei der nächsten Gelegenheit runter von der Strecke und raus ins Fahrerlager bzw. auf den Campingplatz. Dort stellte ich die Domi ab und begutachtete meinen Fuß. Nun ja, er wurde etwas blau und dick unterhalb der Fußzehen. Von unseren beiden anwesenden Ärztinnen Anna und Ilona wurde ich sofort standesgemäß mit Erster Hilfe versorgt.
Blöd, dass so etwas gleich auf der ersten Fahrt passieren muss. Ich hatte ja die Hoffnung, dass im Laufe des Nachmittags die Schmerzen etwas nachlassen würden, so dass ich doch noch einmal ein bisschen hätte fahren können.
Die Schmerztablette half einigermaßen. Nach dem Mittagessen schlüpfte ich nochmal in meine Endurostiefel. Das Stehgefühl war eigentlich gar nicht schlecht, da die Stiefel genau die Bewegung weitestgehend unterbanden, die mir weh tat: Das Abrollen des Fußes beim Gehen. Dieses Mal wollte ich die Crossstrecke fahren. Aber weit kam ich nicht. Beim ersten Schlammloch kam ich ziemlich ins Schlingern mit meiner Domi. Die mittlerweile recht abgefahrenen Heidenaus forderten ihren Tribut. Daher entschied ich mich, ans Camp zurück zu fahren und auf Annas kleine Domi zu steigen. Die hatte nagelneue Conti TKC 80 drauf und war außerdem gut 35 kg leichter, als die große Domi. Mit ihr traute ich mich auf die Crossstrecke und fuhr auch noch einen Teil der Endurostrecke, zumindest da wo ich den Weg gefunden hatte. Es war an manchen Stellen nicht ganz einfach, die Wegstrecke des Endurotrails zu finden. Danach war zumindest mein Bedürfnis, ein bisschen zu fahren, soweit gedeckt, dass ich mit einem guten Gefühl wieder ins Camp zurück fuhr. Als ich die Stiefel und Socken ausgezogen hatte, war mein Fuß an der verletzten Stelle mittlerweile tiefblau angelaufen. Rein fahrerisch waren die Summer Offroad Days für mich gelaufen. Aber das Beisammensein mit der ganzen Gruppe machte einiges wieder wett. So richtig schlechte Laune hatte ich während des ganzen Wochenendes eigentlich nie. Es war trotz meiner Verletzung ein richtig feines Wochenende gewesen.
Am Sonntag morgen bauten wir zeitig unsere Zelte ab und luden die Domis wieder auf den Anhänger. Montags darauf ging ich zum Orthopäden. Der war sich nicht ganz sicher, ob es nur eine ordentliche Prellung oder tatsächlich ein Bruch war. Also ab unters CT. Dann die Gewissheit: Der Mittelfußknochen vom 3. Zeh war gebrochen. Das hieß: Drei Wochen Stützschuh anziehen und den Fuß ruhig stellen. Immerhin konnte ich noch ein bisschen laufen.
Rechtzeitig zu Beginn unseres Familienurlaubs lud ich ein paar Freunde aus dem Domiforum zum Grillen ein. Es sollte ein Grill- und Domi-Wartungsevent werden. Die Domi war zwar mittlerweile wieder sauber, aber es stand ein Service an. Den Ölwechsel machte ich im Vorfeld selber. Aber in den 23 Jahren, die ich nun die Domi besaß, hatte ich mich nie an das Einstellen der Ventile getraut. Deshalb lud ich Andreas_NRW zu mir nach Hause ein, um von ihm das Ventile Einstellen am Domimotor zu lernen. Im Gegenzug gab es lecker Essen vom Grill. Neben Andreas waren auch Sylvia, Rolf, seine Freundin Susanna, Arno und Ilona anwesend. Arno und Ilona hatten ihre Jungs dabei. Somit konnten sich die Kids selbst bespaßen. Und Rolf unterstützte uns moralisch mit seinen lockeren Sprüchen. Günther kam auch auf einen Spontanbesuch vorbei und kontrollierte, dass wir keinen Mist bauten.
Meinem Fuß ging es nach drei Wochen schon deutlich besser. Der Heilungsprozess lief gut, so dass ich Mitte September wieder die erste Tagestour fahren konnte. Die traditionelle Herbstausfahrt stand auf dem Programm. Dieses Jahr waren wir sehr früh dran mit der Ausfahrt. Es war Mitte September eigentlich noch Sommer. Aber in den folgenden Wochen fanden wir keinen gemeinsamen Termin. Wir fuhren ins Heilbronner Land und in die Löwensteiner Berge. In dieser Gegend bin ich auch eher selten unterwegs. Das Wetter war erneut prächtig. Für Mario (saruman) war es die erste Ausfahrt mit Leuten aus dem Domiforum. Zusammen mit Andreas Ell, Rolf (Nickless), Dieter (Q-rare) und meiner Wenigkeit war die Gruppe komplett. Ich nahm freudig zur Kenntnis, dass es auch mit Rolfs Verletzung an seinem Daumen aufwärts ging. Immerhin konnte auch er wieder Motorrad fahren.
Treffpunkt war auf der Löwensteiner Platte. Danach ging es im relativen Zickzack über teilweise grottenschlechte Straßen über die Löwensteiner Berge. Ein Stückchen Hohenlohe fand sich auch auf der Route. 150 km später fanden wir uns erneut auf der Löwensteiner Platte ein. Von hier aus fuhr jeder wieder in seine Richtung zurück nach Hause. Dieter klinkte sich schon etwas früher aus der Gruppe aus, da er noch einige hundert Kilometer nach Hause fahren musste. Für mich waren es am Tagesende ca. 300 km. Mensch und Maschine hatten sie gut überstanden. Aber platt war ich abends dann doch ziemlich. Ich war nach meiner Zwangspause irgendwie nichts mehr gewohnt.
Für den Rest des Jahres kam die Domi noch das ein oder andere Mal für die Fahrt zur Arbeit zum Einsatz. Aber für eine richtige Herbstausfahrt im Oktober kam leider kein Termin mehr zustande. Über das Jahr verteilt kamen so knapp 3000 Kilometer zusammen.
Ende November flatterte eine Einladung für das italienische Domitreffen im kommenden Jahr ins Forum. Der Termin: Schon Ende April. Der Ort: Sulmona in den Abruzzen etwa auf der Höhe von Rom, nur weiter östlich. Die Entfernung: Für mich nur schlappe 1250 km. Ich kam ins Grübeln. Ob das meine Domi noch schafft? Wie viel Öl müsste ich denn dafür mitnehmen. Ist der Motor mit seinen über 100.000 gelaufenen Kilometern doch mittlerweile bei einem Ölverbrauch von ca. 1 Liter auf 1000 Kilometer angekommen. Bei einer Gesamtfüllmenge im Motor von gerade mal 2 Liter wird zu nachlässiges Kontrollieren und Nachfüllen schnell kritisch. Hmm... ich kam ins Grüblen. Ein Erlebnis wäre es durchaus. Zumal ich noch nie zuvor im April über die Alpen gefahren bin. Der Termin für das Endurotraining stand auch schon früh fest. Der Zufall wollte es, dass das Training genau eine Woche davor statt fand. Ich hatte einen Plan, und die Familie gab mir grünes Licht. Der Plan sah vor, zwei Wochen Urlaub zu nehmen, in denen ich zunächst am Endurotraining teilnahm, und direkt im Anschluss in mehreren Tagesetappen aufs Treffen nach Italien fuhr und anschließend in mehreren Tagesetappen wieder zurück. Dass daraus mehr wurde, als nur eine Reise auf ein Motorradtreffen, hatte ich dem Martin (Dobinator) zu verdanken. Aber dazu mehr im nächsten Kapitel.